Exorcisme


Originaltitel:
Exorcisme
Alternativtitel:
Demoniac, Exorcism, Der Sadist von Notre-Dame
Jahr:
1974
Eingetragen:
30.09.2014
IMDB-Wertung:
4,6/10

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Geschmackvolle Show vor gehobenem Publikum
Ab welchem Punkt muss man, wenn ein Film nach Jahren umgeschnitten und eventuell sogar um neue Szenen ergänzt wird, von einem neuen Film sprechen? Gerade im Low-Budget-Bereich war das ja lange Gang und Gäbe. Und so wurde aus Exorcisme irgendwann in Deutschland Der Sadist von Notre-Dame, der allerdings tatsächlich zu ca. einem Drittel aus neuen Szenen (zu deren Gunsten alte herausgenommen wurden) besteht. Im englischsprachigen Ausland ging man dagegen nicht ganz so weit: Demoniac ersetzt nur einige Nacktszenen mit äquivalenten, in denen die Darstellerinnen immerhin Unterwäsche tragen. Aber dann ist da auch noch die Pornoversion, deren neue Szenen mit völlig anderen Darstellern recht unmotiviert dazwischengeschnitten wurden…

Insofern schwierig, wovon man an dieser Stelle eigentlich sprechen soll. In den ursprünglichen Versionen geht es auf jeden Fall um einen ehemaligen Priester namens Vogel (Regisseur Jess Franco selbst), der mittlerweile als Autor von Torture-Porn-Geschichten für eine „Fachzeitschrift“ sein Geld verdient. Dessen Verleger (Pierre Taylou) besitzt nebenbei auch einen Nachtclub, in dem entsprechende Bühnenshows laufen, in denen auch seine Sekretärin Anne (Lina Romay) als Darstellerin auftritt.

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Der Meister persönlich leidet
Die Erzählung dreht sich allerdings ganz um Vogel. Hin- und hergerissen zwischen seinen Wertvorstellungen und morbider Faszination, zwischen zutiefst katholischer Verdammung der Sexualität im Allgemeinen und der Weiblichkeit im Speziellen und einer nicht zu widerstehenden Faszination spielt Franco ihn durchaus brauchbar. So werden seine Ausflüge, in denen er Prostituierte oder sonstige „Perverse“ meuchelt, um – im Rahmen seines Weltbilds – ihnen den Teufel auszutreiben ud ihre Seelen zu retten. Wobei sogar eine gewisse Tragik durchkommt, da durchschimmert, dass Vogel diese Menschen andererseits auch um ihre Freigeistigkeit beneidet.

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Noch einmal bekreuzigen und dann zum Finale!
Die Inszenierung unterstützt diese innere Zerrissenheit sehr gut. Von der von Francos eigenem Succubus entnommenen Anfangsszene, in der zuerst voyeuristisch eine sexuelle Folterszene gezeigt wird, nur um dann durch einen Kameraschwenk zu entlarven, dass es sich um eine Bühnenshow handelt (und man als Zuschauer des Films also seinen eigenen Voyeurismus vor Augen geführt bekommt), an schwelgt man in hypersexualisierten Bildern, was man positiv interpretiert als einem die Perspektive Vogel nahebringende Technik bezeichnen könnte. Anziehendes und Abstoßendes halten sich die Waage – und die Morde sorgen dann sogar stellenweise für einen angenehmen Wechsel des Tempos.

Also tatsächlich in der Referenzversion gut geraten. Allerdings, und diese Warnung muss man aussprechen, ist jene Referenzversion auch schon reichlich explizit, was den Sex angeht. Primäre Geschlechtsteile sind öfter mal im Bild – und das sogar in Aktion, wie man es eigentlich eher nicht außerhalb des Pornogenres erwartet. Demoniac ist da wie erwähnt weniger explizit, was aber wiederum die Intensität des Konfliktes der Hauptfigur deutlich abschwächt. Mehr Szenen zu Vogels Hintergrund gibt es wiederum im Sadisten, aber ob die wirklich nötig sind? Muss man wissen, wo man die Prioritäten setzen will.

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