Brazil


Originaltitel:
Brazil
Jahr:
1985
Eingetragen:
22.10.2014
IMDB-Wertung:
7,9/10

Sam Lowry (Jonathan Pryce) ist ein kleines Zahnrad im Getriebe der alles beherrschenden Bürokratie des Staates. Seine Mutter (Katherine Helmond) versucht, ihm „goldene Brücken“ zu bauen in einflussreichere Behörden. Doch Sam ist weder daran, noch an ihren Verkuppelungsversuchen interessiert. Stattdessen gibt er sich Tagträumen hin, in denen er als engelsgleicher Superheld absolute Freiheit spürt und seine imaginäre Traumfrau aus den Klauen böser Monster rettet. Ein langweilig-ereignisloses, aber vor allem antriebsloses Leben – bis ihm jene Traumfrau (Kim Greist) tatsächlich über den Weg läuft.

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Im Traum ist Sam frei und stark
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In Wirklichkeit ist er ein verlorenes, kleines Rädchen
Was folgt, ist ein stellenweise bizarres, von Assoziationen an Stelle von Logik geleitetes Abenteuer. Was Lowry erlebt, ist in der Summe ebenso unwichtig, wie die Frage, warum er tut, was er tut. Das Bild ergibt sich durch die einzelnen Schlaglichter, die einem weniger durch die vordergründige Handlung, als vielmehr durch die Szenen und die Art der Interaktionen zwischen den Charakteren ein Bild dieser fremden, aber gleichzeitig allzu bekannten Welt erzählen.

Da sind die riesenhaften Gebäude, die von Adersystemen (Rohren und Leitungen) durchzogen sind und durch die sich winzige, amöbenartige Menschen bewegen. Lowrys späteres Büro assoziiert man entsprechend weniger mit einem Raum, sondern mit einer Zelle oder einem kleinen Organ, in denen er seine Funktion verrichtet. Während seiner Abwesenheit werden Akten zur Bearbeitung angeliefert, völlig ohne persönlichen Kontakt und ohne klar definierten Sinn. Aus der Rohrpost fallen unvermittelt weitere Nachrichten – all das, ohne dass ihm jemals irgendjemand überhaupt eine Aufgabe in diesem neuen neuen Job zugewiesen hätte. Entsprechend verhält es sich in seiner kleinen Wohnung, hinter deren Wänden wabernde Innereien zum Vorschein kommen, als hätte man einem Menschen den Bauch aufgeschnitten.

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Training für Super Mario Bros.
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Und dann sind da eben die Figuren, wie Lowrys Vorgesetzter (Ian Holm), völlig hilflos und inkompetent, dem es nicht einmal gelingt, ein Dokument eigenhändig zu unterschreiben, und der zu keinerlei Entscheidung fähig ist. Der Höhepunkt ist jedoch Michael Palin als Spiegelbild Lowrys – smart, erfolgreich, beliebt, glücklicher Familienvater. Die Besetzung Palins, intuitiv sympatisch, erweist sich dabei als Glücksgriff, da gerade seine Freundlichkeit ihn in dieser Rolle desto fieser erscheinen lässt, wenn er mit einem Lächeln Dinge absondert wie: „Wir waren doch immer nahe Freunde. Bitte halte dich in nächster Zeit von mir fern.“

All diese Dinge reißen einen mit – filmisch befindet man sich hier auf höchstem Niveau. Da ist es zu verschmerzen, dass die Rolle der mysteriösen Frau nicht nur relativ schwach besetzt ist, sondern Regisseur Terry Gilliam auch zugegeben nur wenig Interesse an ihr zeigt. Sie ist an sich ja immerhin der Katalysator dieser Geschichte, aber je weniger man darüber nachdenkt, desto besser. Lieber einfach auf den Wellen der Bild- und Tonflut reiten und sich am Ende der traumhaften Momente erinnern.

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