Wolfman


Originaltitel:
The Wolfman
Jahr:
2010
Eingetragen:
30.10.2014
Bearbeitet:
05.07.2015
IMDB-Wertung:
5,8/10

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Der (nicht-romantisierte) Werwolf gehört in US-Kreisen zu den klassischen Filmmonstern aus der „goldenen Ära“ der Horrorfilme. So überrascht es nicht, dass von Zeit und Zeit das Skript aus den frühen 40ern immer mal wieder herausgekramt und neu verfilmt wird. Technik schreitet voran und die Masken und Spezialeffekte, die in diesem Genre ja nicht ganz unwichtig sind, altern und werden damit schnell sogar unfreiwillig komisch.

Viel mehr als eine technische Überarbeitung hat dieser aktuelle Wolfman allerdings auch nicht zu bieten. Selbst diese steht auf wackligen Füßen, da die Monstermodelle aus dem Computer teilweise selbst auf Fernsehern recht künstlich aussehen und man sich sogar nicht zu schade war, die Gollum-Animation aus Herr der Ringe wiederzuverwenden.

Dazu kommen fragwürdige darstellerische Leistungen. Hauptdarsteller und Bald-Werwolf Benicio del Toro, im Film angeblich immerhin erfolgreicher Shakespeare-Darsteller (mit breitem US-Akzent), schafft nicht mehr als einen Gesichtsausdruck: den traurigen Hundeblick mit leicht gesenktem Kopf. Der generische Love-Interest (Emily Blunt) schaut permanent besorgt drein. Anthony Hopkins als dem Protagonisten entfremdeter Vater gefällt sich mit hochgezogener Augenbraue. Max von Sydow wird in der (im Kino gleich ganz herausgeschnittenen) sinnlosen Anfangsszene verschwendet. Als Gegengewicht bleiben Hugo Weaving als Inspektor Abberline (!) und Geraldine Chaplin als greise Zigeunerin, die durch gemeinsames Overacting die Balance wiederherzustellen versuchen. Nur funktioniert dieses Summenspiel bei Schauspielerei natürlich nicht.

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Inhaltlich gibt es einen „Twist“, den man meilenweit vorher kommen sieht, sowie eben die besonders ungeschickt ausgebaute Frauenrolle. Dramaturgisch ungeschickt, da sie zwar immer irgendwie „da ist“, ihr aber dann trotz einiger kleinerer Aufbauschversuche doch keinerlei relevante Rolle zukommt. Filmisch ungeschickt, da sie für einige offensichtliche Anschlussfehler sorgt: Mehrfach verabschiedet sie sich, reist davon, nur um dann doch plötzlich kommentarlos wieder dazusein. Und das, das kann man ruhig nochmal wiederholen, obwohl die Alphamänner dann nachher doch alles unter sich ausmachen.

Die Inszenierung ist ansonsten immerhin solide gelungen. Man bekommt die übliche Hollywood-Clichéversion des englischen Dorfes im nebelverhangenen Moor, mit dem klotzigen, aber verfallenen Herrenhaus, das wohl den Untergang des „Empire“ aus Gründen der eigenen Überheblichkeit und Arroganz (personifiziert in Hopkins' Rolle) reflektieren soll. Abberline (warum?) sorgt für den bekannten Konflikt der „modernen, aufgeklärten Ordnung“ mit „unerklärlichen Phänomenen“ jenseits der Wissenschaftsgläubigkeit, die einen Großteil klassischer Monstergeschichten ausmachen. Nach diesem Muster werden in Hollywood ja seit vielen Jahrzehnten Horrorfilme gemacht. Ob es diesen gebraucht hätte? Fraglich.

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