Das Bildnis des Dorian Gray


Originaltitel:
The Picture of Dorian Gray
Jahr:
1973
Eingetragen:
17.03.2015
IMDB-Wertung:
6,4/10

Romane und Filme sind unterschiedliche Medien. So offensichtlich es wirken mag, so wenig scheint man sich doch immer wieder darüber Gedanken zu machen, wenn blind irgendwelche Bücher auf plumpe Art und Weise verfilmt werden, ohne wirklich die erzählerisch notwendigen Unterschiede zwischen den Medien zu adressieren. Und ein zweiter typischer Effekt: Wenn man zu einem populären Stoff einmal ein Drehbuch hat, wird es gnadenlos immer wieder und wieder verwendet.

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Dorian macht unmoralische Angebote
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Das bekommt sein Bildnis zu spüren

So geschehen mit der Adaption Dorian Grays aus den 40er Jahren, die als Film schon ziemlich behäbig dahinplätscherte. Auch in dieser TV-Version wird also wieder viel Text des Romans direkt aus dem Off erzählt. Zugegeben ein grundlegendes Problem des Stoffes, der aus einer Zeit stammt, als explizite Introspektion der Hauptfigur noch „in“ war. Schade aber, dass man eben immer noch nicht einmal versucht hat, dies auf die eine oder andere Weise filmisch äquivalent auszugestalten. Gleiches gilt für diverse bedeutungsschwangere, direkt in die Kamera gesprochene Aussagen jenseits der Schmerzgrenze („Ich wünschte, dieses Bild für an meiner Stelle altern. Dafür würde ich alles geben. Wirklich alles!“) sowie dramaturgisch zentrale Szenen, die gleich mal überhaupt nicht gezeigt, sondern von denen nur berichtet wird.

Ein guter Film ist auch diese Version also wieder nicht. Eine schlechte Adaption jedoch auch nicht. 70er-Jahre-Schönling Shane Briant ist ein passabler Gray, Kostüme und Kulissen gehen in Ordnung und die Geschichte ist weitgehend intakt. Kann man sich also angucken, aber auf eine wirklich gute Filmversion des Stoffes wartet man weiterhin vergebens.

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