Todsünde


Originaltitel:
Leave her to Heaven
Jahr:
1945
Eingetragen:
30.03.2015
IMDB-Wertung:
7,6/10

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So hat sie sich die traute Zweisamkeit vorgestellt
Angst vor dem unbekannten Wesen namens „Frau“ – ein zeitloses Thema männlicher geschaffener und konsumierter Fiktion. Dabei sind diejenigen Vertreter, in denen die weiblichen Figuren einfach von Natur aus abgrundtief böse sind, häufig die unterhaltsameren, weil man sie eh nicht absolut ernst nehmen kann. Schwieriger ist es mit scheinbar anspruchsvollen Dramen, die es irgendwie glaubwürdig zu unterfüttern versuchen.

In letztere Kategorie fällt Todsünde. Gene Tierney übernimmt die undankbare Rolle der Frau mit Vaterkomplex, die aus diesem kindlichen Trauma heraus ihren Ehemann (Cornel Wilde) dermaßen besitzergreifend liebt, dass sie ihn auch nicht nur ansatzweise mit irgendjemandem oder irgendetwas zu teilen im Stande ist. Besuche von Freunden und Bekannten sind unerwünscht und ihr jugendlicher Schwager (Bruder Danny), für den ihr Mann sozusagen Ersatzvater ist, sowie ihr eigenes ungeborenes Kind bekommen das geradezu mörderisch zu spüren. Und selbst allerletzte Rache für gefühlte Untreue über ihren eigenen Tod hinaus, die durch ihren eigenen enttäuschten Ex-Verlobten (Vincent Price), seines Zeichens Staatsanwalt, durchgeführt werden soll, lässt sie sich nicht nehmen.

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So nicht
Als ohnehin eindimensionaler Thriller hätte das eventuell funktionieren können. Als ernsthaftes Drama… na ja. Man hätte sich vielleicht mal entscheiden sollen, ob man die Geschichte nun aus der Perspektive der Frau oder des Mannes erzählen möchte. Selbst ein psychologisch dünnes Trauma als Erklärung müsste ja nicht fatal sein, wenn man beispielsweise konsequent aus der Sicht der Protagonistin erzählt hätte. Die filmische Gestaltung der subjektiven Sichtweise hätte in einem solchen Fall den Reiz ausgemacht.

In der perspektivisch neutral gehaltenen Erzählung fällt es dagegen schwer, überhaupt eine Identifikationsfigur zu finden. Tierneys Rolle verliert die Sympathien sehr schnell, ein Mitleiden ist also kaum mehr möglich. Wildes Rolle bleibt durchgehend blass, selbst als er in der zweiten Hälfte zumindest mal überhaupt ein wenig mehr auftaucht. Wahrscheinlich liegt es auch an den geänderten Sehgewohnheiten, aber so richtig herzzerreißend, wie es wahrscheinlich mal gedacht war, ist das lange nicht.

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