Labyrinth der Monster

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Originaltitel:
Mazes and Monsters
Jahr:
1982
Eingetragen:
24.04.2015
IMDB-Wertung:
4,1/10

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Satanismus pur!
Man glaubt es kaum, welche lächerlichen Kleinigkeiten immer wieder als der Untergang der Zivilisation angesehen werden. Ob nun Rockmusik, Fernsehen oder heutzutage böse Computerspiele – alles, was den Status Quo scheinbar beeinflusst, löst anscheinend weitverbreitete Urängste aus. In den 80er Jahren rollte durch Westdeutschland diesbezüglich die sogenannte Zombiewelle: billig produzierte und billig auf VHS verbreitete Gorefilmchen schienen (mal wieder) das Ende des Abendlandes einzuläuten. Mangels entsprechend starker fanatischer Religionslobby ging dagegen die große D&D-Aufregung der USA tendenziell an uns vorbei.

Doch im Heimatland dieses Rollenspielchens wurden anscheinend allerlei Vorwürfe der Marke „Satanismus“ (der ja die fundamentalen Grundsätze eben jener protestierenden Christen nicht nur akzeptiert, sondern sogar völlig verinnerlicht) erhoben. Außerdem machte wohl der (nicht verbriefte) Fall eines angeblich durch Realitätsverlust in den Selbstmord getriebenen Spielers die Runde. Ganz so, wie vor ein paar Jahren bei Amokläufern an Schulen, immer besorgt festgestellt wurde, es müsse an „Killerspielen“ gelegen haben, denn wie ja jeder halbgebildete weiß ist Korrelation immer gleichbedeutend mit Kausalität.

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Die logische Fortsetzung?
So ist es erstmal nicht überraschend, dass dieser Fiktionalisierung des ohnehin fiktiven genannten Falls ein zutiefst spießiges Weltbild zugrunde liegt. Erzählt wird von vier Jugendlichen (Tom Hanks, Wendy Crewson, David Wallace und Chris Makepeace), die ihre Freizeit zwischen den Uni-Vorlesungen gelegentlich mit dem Spiel „Labyrinth der Monster“ verbringen. In Eingangsszenen beinahe satirisch anmutender Plattheit wird jedem von ihnen ein tiefe Unzufriedenheit mit ihrem echten Leben angedichtet, die – Achtung, Weltanschauung – selbstverständlich in der Dysfunktionalität ihrer jeweiligen familiären Herkunft begründet liegt. Wobei man immerhin den Anstand hatte, verschiedene Unterarten dieser Mutter aller Weltprobleme auszugestalten.

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Billiger kann man Traumsequenzen nicht gestalten
Auf jeden Fall verlassen die vier irgendwann das Studentenwohnheim zum Spielen in nahegelegenen Höhlen, entwickeln sich also zur prototypischen LARPern. Einer von ihnen verliert dabei langsam die Kontrolle, kann nicht mehr zwischen Realität und Fantasie unterscheiden. Zuerst unbemerkt von den anderen, die sein „intensives Spiel“ loben. Als er gar nicht mehr aufzuhören scheint finden seine Freunde das immerhin langsam befremdlich. Doch erst als er schließlich überhaupt nicht mehr aufzufinden ist, schaltet man die Polizei ein.

Die Zuschauer sind zu diesem Zeitpunkt bereits etwas schlauer, denn sie haben die dürftig inszenierten (eigentlich überhaupt nicht inszenierten) Alpträume des Charakters, in dem sein abgehauener Bruder (Lloyd Bochner) mit ihm spricht, über sich ergehen lassen müssen. Zuerst konzentriert sich die Suche der Behörden auf die bekannten Höhlen, doch tatsächlich befindet sich der Gesuchte in New York. Was mit der Unwahrscheinlichkeit begründet wird, dass eine Person im Film den Vornamen „Hall“ trägt (klassischer Fall von „Habe ich das gerade richtig verstanden? Spul nochmal zurück!“).

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Gleiches gilt für die „Monster“
Trotzdem sorgt dies für die einzigen ganz sehenswerten Szenen der ansonsten ohne jegliche Originalität heruntergekurbelten Fließbandproduktion: Die Straßen des nächtlichen New York und dessen U-Bahnschächte werden im Blick des Durchgeknallten zu eben jener Fantasiewelt, in der er sich währt. Was die Begegnungen mit einem mit einem Messer bewaffneten Kleingauner und später einem Obdachlosen trotz abgrundtief schlechter Kostümierung sogar einigermaßen spannend macht.

Die unglaublich üble Abschlussszene, in der sich die anderen drei dann explizit „geläutert“ zeigen, d.h. ihre „sinnlose Rebellion“ gegen die Erwachsenenwelt beenden – am schlimmsten repräsentiert durch den Blondschopf, der verkündet, sich nun doch für den bodenständigen Beruf entschieden zu haben, zu dem ihn seine Eltern schon immer drängen wollten – macht dann allerdings das wenige vorher Erspielte im Negativen locker wieder wett. Engstirnigkeit und Kurzsichtigkeit sind hier Programm. Dass „Rollenspieler“ tatsächlich üblicherweise die harmlosesten, gesellschaftlich angepasstesten Genossen mit dem geringsten Subversionspotential überhaupt sind, war den Autoren und Produzenten wohl (noch?) nicht aufgegangen.

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