Ex Machina


Originaltitel:
Ex Machina
Jahr:
2015
Eingetragen:
06.05.2015
Bearbeitet:
23.05.2015
IMDB-Wertung:
7,7/10

Es ist mal wieder die alte Blade Runner-Formel: Im Science-Fiction-Gewand wird zum wiederholten Mal gefragt, was auf philosophischer Ebene menschliches Leben ausmacht. Nur in diesem Fall inszeniert als kühl-klaustrophobisches Kammerspiel zwischen gerade mal drei Charakteren, aber im Unterschied zum Kinski-Billigwerk Der Android mit anderer Stoßrichtung.

Katalysator für die Zuschauerschaft ist „Caleb“ (Domhnall Gleeson) – Punktabzug bezüglich Identifikationsfähigkeit allein aufgrund des Namens, aber ansonsten mit all den typischen Projektions- und Mitfühleigenschaften einer bewährten Protagonistenfigur ausgestattet: ein kleines Licht im Job, privat unscheinbar, vom Guten in den Menschen überzeugt. Für seinen ihn in allen Belangen überstrahlenden Chef Nathan (Oscar Isaac) soll er, so drückt es letzterer aus, an einer neuentwickelten künstlichen Intelligenz (KI) einen Turing-Test durchführen, also prüfen, ob diese als nicht von menschlichem Handeln unterscheidbar durchgehen kann. Diese KI tritt Caleb in Form des Roboters Ava (Alicia Vikander) gegenüber.

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Versuchung

Doch, und das ist letztlich der ganz intelligente, wenn auch wenig überraschende Dreh: Letztlich geht es viel weniger um Ava, als um Caleb. Vom Rest der Welt abgeschnitten muss er fürchten, von beiden Seiten manipuliert und ausgenutzt zu werden. Er beginnt – zu Recht – an seiner Rolle in diesem Experiment und sogar den Grundlagen seiner eigenen Existenz zu zweifeln. Und man kann als Zuschauer aufgrund jener erwähnten Eigenschaften gut mit ihm mitfühlen. Wie nebenbei, jedoch wohl tatsächlich exakt geplant, gelingt es dem Drehbuch außerdem, den scheinbar so kumpelhaft-sympathischen Nathan gegenteilig zu charakterisieren. Denn wenn er beiläufig erwähnt, wie er an die notwendigen Daten für seine Forschung gekommen ist und wie er diese ohne moralische Schranken nutzt, wird klar, dass er nicht nur künstlichen Intelligenzen skrupellos benutzt (an jenen Stellen sollten alle Benutzer üblicher Internetsuchmaschinen, „sozialer Netzwerke“ und sog. Smartphones mal genau zuhören).

Soweit, so gut. Ebenfalls bewährte Qualität bietet die sich durch den Kontrast zwischen endlosen, nicht unterscheidbaren, in kaltes Neonlicht getünchten metallischen Gängen des unterirdischen Gebäudes und der „ungezähmten, unberührten Natur“ drumherum, in die Caleb und Nathan ein paar Ausflüge unternehmen, was Insassin Ava verwehrt bleibt, um letztere im Sinne der Rezeption Calebs zum bemitleidenswerten Geschöpf zu gestalten.

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Sehnsucht

Wäre also alles gut auf vernünftigem technischem, erzählerischem, schauspielerischem wie inhaltlichem Niveau. Wäre, wenn da nicht immer mal wieder gerade in der Niveaufrage die leider heutzutage übliche intellektuelle Selbstüberschätzung insbesondere angelsächsischer Autoren/Regisseure durchblitzen würde. In geradezu gezwungen wirkenden Szenen werden krude Metaphern und Allegorien in etwas zu viel Detail aufgedröselt, die genauerer Betrachtung zumindest in dieser vorgeblichen Tiefe nicht standhalten. Und am anderen Ende der Skala hätte man sich Plattheiten wie die pseudo-bedeutungsvolle Bennenung des Roboters („Eva“) auch ganz schenken können.

Trotz Allem: Vom Absturz in völlig peinliche Gefilde wie gewisse andere hochgelobte Science-Fiction-Filmchen der letzten Jahre ist Ex Machina weit entfernt. Man fühlt sich auf vernünftigem Niveau sehr gut unterhalten und verlässt den Kinosaal mit einem entsprechend gutem Gefühl. Wo man sich ansonsten häufig grundlegend ärgert ist es hier eher die schleichende, leichte Enttäuschung, dass man seitens der Macher an den letzten 5% gescheitert ist, die man sich unnötig selbst auferlegt hat.

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