Frankensteins Fluch


Originaltitel:
The Curse of Frankenstein
Jahr:
1957
Eingetragen:
05.06.2010
IMDB-Wertung:
7,2/10


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Präzise Laborarbeit
Baron Victor Frankenstein (Melvyn Hayes) ist nach dem Tod seiner Mutter bereits mit 15 Jahren Vollwaise. Er engagiert den Privatlehrer Paul Krempe (Robert Urquhart), um seinen Durst nach Wissen zu stillen. Schon bald überflügelt er diesen intellektuell und sie beginnen gemeinsame wissenschaftliche Untersuchungen an der Grenze von Leben und Tod durchzuführen.

Ziel des Barons (nun gespielt von Peter Cushing) ist es, nicht nur Gestorbenen das Leben wiedergeben, sondern Leben schaffen. Und nicht etwa irgendwelches Leben, sondern einen denkenden Menschen. Dafür sind geeignete "Rohmaterialien" von Nöten, bei deren Beschaffung Frankenstein immer skrupellosere Züge annimmt. Dies gipfelt in "aktivem Nachhelfen" zwecks Beschaffung eines Gehirns.

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Unfall?
Die äußerlich abstoßende Kreatur (Christopher Lee) erweist sich als wenig perfekt. Zwar lebt sie, jedoch gibt sie nur unartikulierte Grunzlaute von sich, ist übermenschlich stark und extrem aggressiv. Das Monster enflieht und wird zur Gefahr für die Bewohner des Dorfes, und insbesondere für Frankensteins eigenen Haushalt. Am Tag der Hochzeit Frankensteins mit seiner Cousine Elizabeth (Hazel Court) kommt es zum großen Showdown.

Frankensteins Fluch ist der erste Teil der erfolgreichen Reihe aus den britischen "Hammer"-Studios. Doch er begründete nicht nur die Frankenstein-Serie, sondern kam auch vor den Neuinterpretationen des klassischen Dracula- und Mumienstoffe durch diese Firma. Es ist wohl kaum übertrieben zu behaupten, dass dieser Film die anderen erst möglich gemacht hat.

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Das originale Monster
Es handelt sich dabei um eine recht freie Interpretation der literarischen Vorlage, und Fans der älteren Verfilmungen aus den 30er und 40er Jahren wird auffallen, dass nicht das Monster die Hauptfigur ist, sondern sein Schöpfer. Dieser wird von Peter Cushing hervorragend verkörpert. Die Besessenheit von der Wissenschaft und die dazugehörige langsame moralische Abwärtsspirale bringt er glaubwürdig rüber und trotz aller menschlicher Kälte, die sich vor allem im Umgang mit dem Dienstmädchen Justine (Valerie Gaunt) zeigt, schafft er es, dass der Charakter nicht völlig unsympathisch wirkt.

Überhaupt ist die Besetzung sehr effektiv. Unnötige Charaktere ("Beiwerk") gibt es kaum, und so konzentriert sich alles auf die moralischen Auseinandersetzungen zwischen Frankenstein und seinem alten Lehrer sowie den indirekten, unterstützenden Szenen mit den beiden im Haus lebenden Frauen. Sie alle wirken glaubwürdig in ihrem Kontext, platte "Heldenfiguren" oder "Bösewichte" werden vermieden.

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Bitte reich mir die Marmelade
Problematisch wird die Glaubwürdigkeit allenfalls bei den Altersrelationen. Für die Figur des Barons wurden zwei Schauspieler benutzt: Melvyn Hayes war zur Zeit des Drehs Anfang 20, und Peter Cushing bereits Mitte 40 (zwar wird nie genau gesagt, wie viel Zeit zwischen Anfang und Ende vergangen sein soll, jedoch ist es wohl legitim zu behaupten, dass Frankenstein gegen Ende des Films 30-35 Jahre alt sein soll). Hayes nimmt man auch noch den Teenager ohne weiteres ab, aber Cushing wirkt, insbesondere im Vergleich zu Robert Urquhart, der immerhin seinen Lehrer spielen soll, aber fast zehn Jahre jünger ist, recht "gesetzt". Urquhart wiederum, der sowohl Szenen mit dem "jungen", als auch mit dem "alten" Frankenstein bestreiten muss, scheint fast überhaupt nicht zu altern.

In dem aufs Wesentliche komprimierten, und damit recht schnellen Geschehen fallen solche Details jedoch nicht ins Gewicht. Nicht umsonst sind einige Szenen berühmt geworden (die Lupe, das Frühstück) und nicht umsonst ist die Rolle des Baron Frankenstein bis heute vielleicht die, mit der Peter Cushing am meisten identifiziert wird.

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