Alles steht Kopf


Originaltitel:
Inside Out
Jahr:
2015
Eingetragen:
28.03.2016
IMDB-Wertung:
8,2/10

Das Erwachsenwerden ist hart. Wir kennen es alle. Mag die frühe Kindheit noch (idealerweise) weitgehend von glücklichen Erfahrungen und Erinnerungen geprägt sein, stellen sich spätestens im Teenageralter erste Weltschmerzerfahrungen ein. So auch bei der 11-jährigen Riley (Vivien Gilbert), deren geordnetes Leben durch einen Umzug auf den Kopf gestellt wird. Eine neue Wohnung, in der man sich nicht heimisch fühlt; eine neue Schule, keine Freunde. Der Sportverein ist auch nicht mehr da. Und überhaupt sind die Eltern (Bettina Zimmermann und Kai Wiesinger) im Dauerstress und bieten somit auch keine emotionale Stütze.

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So weit, so gewöhnlich, nur beschäftigt sich Alles steht Kopf mit Rileys Innenleben auf explizit-symbolischer Ebene, indem Verkörperungen ihrer basischen Emotionen (Freude, Kummer, Angst, Wut, Ekel) in einer Schaltzentrale in ihrem Kopf werkeln und sich dabei immer wieder gegenseitig in die Haare kriegen, die angemessenen Gefühlslagen der Gesamtperson, die sie gemeinsam ausmachen, einzujustieren.

Damit nicht genug: Am Fuße des Turms erstreckt sich ein weitgestrecktes Land voller Orte, die in dem Bild bleibend Sinn ergeben: ein Filmstudio zur Produktion von Träumen, ein Abtraktionszentrum, ein Horrorkabinett unterbewusster Ängste, ein Lager der Erinnerungen und auch eine Deponie für Vergessenes gehören zu den Schauplätzen, die im Laufe des Abenteuers noch von Belang sein werden.

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Alles steht Kopf ist tatsächlich ganz klug gemacht. Einziger kleiner Schwachpunkt mag die von Anfang an klare Dominanz der personifizierten Freude sein: Alle anderen spielen die zweite Geige und haben es eigentlich auch zum Ziel, dass Riley „froh“ ist. Inwieweit die Metapher also damit der vorgesehenen Dramaturgie standhält, sei mal dahingestellt.

Doch die witzigen, seltsamen und auch tragischen Figuren und Momente, die sich im Laufe der Geschichte entspinnen entschädigen einen ausnahmslos. Selbst die für Disneyverhältnisse gar nicht mal so dick aufgetragene Moral ist vielschichtiger als erwartet: Zum Erwachsenwerden, ein vollständiger Mensch zu werden, bedingt das gesamte emotionale Spektrum – und auch das Vergessen, so schmerzlich es im Einzelfall sein mag, ist ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung, um Raum für Neues zu schaffen. Denn ewiger Stillstand, das krampfhafte Festhalten am Status Quo löst keine Probleme.

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