Aguirre, der Zorn Gottes


Originaltitel:
Aguirre, der Zorn Gottes
Jahr:
1972
Eingetragen:
29.04.2016
Bearbeitet:
27.06.2017
IMDB-Wertung:
8/10

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Aguirre setzt einen Strohmann als neuen Anführer ein
Immer mal wieder schwingt sich eine Gruppe meist junger Menschen auf, gegen etablierte Filmkonventionen zu rebellieren. Immer wieder führt das zu einem kurzen Sturm im Wasserglas, bevor sich das Publikum wieder bekannten Mustern zuwendet. Immer wieder ähneln sich die propagierten Stilmittel; ob es sich nun Dogma oder Neuer Deutscher Film schimpft. Werner Herzog führt in diesem seinem ersten großen Hauptwerk beispielhaft genau dies vor: ein Schwelgen in Brecht'scher stilistischer Selbstgerechtigkeit, mit der er sich letztendlich nur selbst schadet.

Mit der Suche des durchgeknallten Konquistadoren Aguirre (Klaus Kinski) nach der legendären Goldstadt El Dorado sollen wohl Kolonialismus, Imperialismus und Führerprinzip aufs Korn genommen werden. Doch würde die Figur nicht von Kinski gespielt, mit dem man extrinsisch so einiges verbindet, würde man das kaum ahnen.

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Plündern, Morden und Brandschatzen
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Bald ist die Truppe schon sehr dezimiert
Immanent sieht man nämlich nur eine minimalistisch inszenierte Floßfahrt einer sich langsam selbst dezimierenden Truppe Soldaten (und eines sein Fähnchen immer nach dem Wind drehenden Priesters), bei der herzlich wenig passiert (außer einiger Anschlussfehler, die das ganze nicht nachvollziehbarer machen). Nach der noch recht eindrucksvollen Eingangsszene des Marsches über die Anden beschränken sich die eingesetzten filmischen Mittel auf platte Perspektiven und auf musikalische oder sonstige stimmungsunterstützende Mittel wird verzichtet.

Die übrigen Bilder sprechen leider eben nicht automatisch für sich. Warum verfällt Aguirre diesen Allmachtsphantasien? Gibt es da eine Entwicklung (Abwärtsspirale) oder schlummerte das schon immer in ihm? Kurze Kinski-Ausbrüche, immer schön gleichmäßig getacktet, sagen ohne erwähnte Konnotation mit der medialen Figur des Darstellers praktisch überhaupt nichts aus, da sie ohne Anlass und immanenten Kontext bleiben. Und dabei ist Aguirre noch die am besten „ausgestaltete“ Figur, während fast alle anderen vollkommen austauschbar und funktionslos bleiben.

Was all diese selbsternannten Künstlergruppen anscheinend niemals zu verstehen scheinen, ist, dass eine distanzierende Inszenierung (ob man es nun klassisch als V-Effekte oder als „Vow of Chastity“ bezeichnet) nicht notwendige Bedingung für die Ernsthaftigkeit eines Stoffes ist. Natürlich kann man Kinski und die anderen Darsteller auf ihrem Floß wie auf einer Theaterbühne agieren lassen, deren verfallende Kulisse als Spiegel des geistigen Zustands dieser Mikrogesellschaft dienen soll. Doch die Mittel des Films können richtig (und auch gerne sparsam) eingesetzt gerade dazu dienen, intendierte Aussagen zu untermauern. Das hätte auch Aguirre gut getan. Was ihn Alles in Allem nicht unbedingt zu einem schlechte, aber sehr ineffektiven Film macht.

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