Kuß der Spinnenfrau


Originaltitel:
Kiss of the Spider Woman
Alternativtitel:
O Beijo da Mulher Aranha
Jahr:
1985
Eingetragen:
26.07.2016
IMDB-Wertung:
7,4/10

Das Gefängnis bringt die seltsamsten Pärchen zusammen: Valentin (Raul Julia) ist politischer Gefangener aufgrund seiner Aktivitäten gegen die faschistische Diktatur, Luis (William Hurt) aufgrund der Verführung eines Minderjährigen eingesperrt. Nun müssen sich die beiden eine Zelle teilen. Zu tun haben sie den ganzen Tag nichts.

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Realist Valentin versucht sich fit zu halten, um den immer wieder bevorstehenden Folterungen im Sinne seiner Sache zu widerstehen. Luis dagegen flüchtet sich in Fantasiewelten, indem er seine schnulzigen Lieblingsfilme nacherzählt. Dass es sich bei dem ersten um die Naziprograganda handelt, wie Valentin, der keine Wahl hat, als zuzuhören, messerscharf schließt, stört ihn nicht – es gehe um Emotionen, nicht Politik. Vom Schicksal zusammengeschweißt entwickeln die beiden grundverschiedenen Menschen langsam Respekt füreinander und auch der verschlossene Valentin öffnet sich langsam – erst bezüglich seiner politischen Aktivitäten, dann auch emotional.

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Vor dem politisch aufgeladenen Hintergrund entspinnt sich eine Geschichte, in der die beiden zentralen Charaktere sich gegenseitig helfen, da sie sich jeweils neue Perspektiven eröffnen und sich so ergänzen, um zu vollständigeren Menschen zu werden. Menschen, die bisher in ihrer jeweiligen kleinen Welt gefangen waren und sich nun langsam selbst befreien.

Die Inszenierung der Enge der Gefängniszelle, die zur gesamten Welt der beiden geworden ist, ist dabei natürlich durch die Umsetzung in ein anderes Erzählmedium objektiver geworden als in der Vorlage. Durch die Form des Films kommt es ironischerweise dazu natürlich auch zu Filmen im Film und filmisch ausgestalteten Rückblenden, die teilweise mit Erzählungen aus dem Off überlegt werden, teilweise aber auch ganz die dargestellte Realität einnehmen. Da Valentin generell zuerst als die Identifikationsfigur angesehen werden kann, wird der Eskapismus, den Luis' Erzählungen ausmachen, damit besonders effektiv gemacht – aber andererseits auch alternativloser.

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Andererseits werden jedoch auch die Vorzüge des Filmmediums gezielt eingesetzt. Die Dreifachbesetzung Sonia Bragas beispielsweise, als tragischer Love-Interest in der Nazigeschichte, als frühere bürgerliche Geliebte Valentins sowie als verführerische Spinnenfrau, legen mögliche Interpretationen nahe, die sich jedoch nicht notwendigerweise als richtig erweisen müssen.

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Denn: Die Geschichten in der Geschichte reflektieren natürlich den Hauptplot und die Beziehung der beiden Hauptpersonen. Wer allerdings wann wer ist, ist nicht immer gleich klar und auch nicht notwendigerweise konstant. So wird das finale Schicksal der beiden Männer – Luis, der sich endlich aus seiner Traumwelt in die harsche Realität hervorwagt und Valentin, dem nur noch die Flucht in seine eigene Traumwelt bleibt – natürlich vorausgedeutet und angekündigt. Doch man wünscht den beiden, nachdem man auch als Zuschauer so viel Zeit intensiv und teilweise intim mit ihnen verbracht hat, ein Happy End, das nicht kommen kann, denn wenn man genau zuhört, sprechen sie beide ihre Identifikation jeweils sogar frühzeitig explizit aus. Dass es nicht gut ausgeht, ist nicht mal schade, denn es kann deterministisch nicht anders sein.

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