Elle


Originaltitel:
Elle
Jahr:
2016
Eingetragen:
28.11.2016
IMDB-Wertung:
7,1/10

Die Geschichte von Michèle (Isabelle Huppert) und ihrem Nachbarn Patrick (Laurent Lafitte) ist sehenswert. Beide sind sie Menschen, die mit sich selbst und ihrem Leben, obwohl nach außen hin eigentlich alles in Ordnung scheint, nicht im Reinen sind. Beide haben Probleme mit Nähe; Michèle versteckt das hinter einer toughen, zynischen Fassade – sie behandelt ihren Sohn (Jonas Bloquet) und ihre Mutter (Judith Magre) nach gleichen leistungsorientierten Maßstäben wie die Angestellten ihrer Videospielfirma – und ist unfähig, irgendjemanden emotional an sich heranzulassen. Patrick staut seine wahren Gefühle und Wünsche in einer restriktiven, gutmenschelnden Partnerschaft mit Ultrachristin Rebecca (Virginie Efira) auf.

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Im Visier:

Die Erzählung gestaltet sich geschickt. Plakativ beginnt der Film mit einer brutalen Vergewaltigungsszene und sichert sich somit die Aufmerksamkeit des Publikums. Konventionell fokussiert wie man ist, erwartet man nun einen Kriminalfilm oder Thriller – nur um damit völlig aufs Eis geführt zu werden. Denn auch wenn Regisseur Paul Verhoeven sich der Stilmittel des Thrillers und des Krimis bedient, erzählt er tatsächlich von einem bürgerlichen Mikrokosmos und den Mensch, die ihn ausmachen.

Perspektivisch verschiebt es sich dabei insofern, dass neben Michèle langsam weitere Charaktere aufgebaut werden und der Erzählfokus sich beinahe unmerklich, aber stetig hin- und herverschiebt. Ob nun die bereits genannten Personen, Michèles Ex-Mann (Charles Berling), ihren Geschäftsparter (Christian Berkel) und dessen Frau (Anne Consigny), mit der sie befreundet ist oder, oder oder… Denn sie alle bringen noch jeweils wieder weitere Charaktere und damit Komplexität mit in die Handlung.

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Das solide Wunschleben

Trotz der Aufdringlichkeit und Abgedroschenheit mancher Traumata, von denen man erfährt, entspinnt sich dadurch ein spannendes und in seiner Gesamtheit auch subtiles Spiel, das so trotz Allem menschlich nachvollziehbar ist. Und spätestens wenn Michèle nach ihrem Autounfall ausgerechnet Patrick zur Hilfe ruft oder wenn Rebecca in der allerletzten Szene, wenn die Handlung bereits zu Ende scheint, mit einer beiläufigen Abschiedsbemerkung alle Interpretationen nochmal wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt, muss man Elle eigentlich mögen – oder zumindest für seine Vielschichtigkeit respektieren. Nur schade, dass Filme von außerhalb Hollywoods, trotz allseits bekannter Beteiligter, international überhaupt nicht wahrgenommen werden.

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