Cashback

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Originaltitel:
Cashback
Jahr:
2006
Eingetragen:
29.01.2017
IMDB-Wertung:
7,2/10

Ben (Sean Biggerstaff) wurde gerade von seiner Freundin (Michelle Ryan) verlassen und von Weltschmerz übermannt kann er nicht mehr schlafen. Da er ohnehin keinen Beruf hat, der ihm sein Leben finanzieren könnte, übernimmt er die Nachtschicht in einem Supermarkt. Dort lernt er Kollegin Sharon (Emilia Fox) kennen. Doch bis die beiden endlich deterministisch zusammenkommen, muss man nochmal 90 Minuten warten.

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Hätte man sicherlich knackiger gestalten können und war zwei Jahre zuvor auch geschehen, denn der Cashback-Spielfilm ist nur eine Erweiterung des gleichnamigen und hochdekorierten Kurzfilms. Was in einem Kurzfilm aber noch durchgeht, muss in Langfassung nicht mehr unbedingt funktionieren – denn einige Motivik kann sich bei genauerer Betrachtung plötzlich als reichlich flach erweisen.

Das große Gimmick des Films ist die (scheinbare) Fähigkeit des Protagonisten, die Zeit anzuhalten. Er fantasiert darüber, durch die größtenteils verwaisten Gänge des Supermarkts zu streifen, in dem die wenigen Kunden ergefroren sind. Was ihm Zeit zum Sinnieren gibt. Und dafür, die stocksteif dastehenden, jungen, gutaussehenden Kundinnen zu entkleiden, ausgiebig anzustarren und pro forma zu zeichnen.

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In einem zehnminütigen Kurzfilm kann man darin eine Symbolik erahnen, die etwas über den Protagonisten aussagen könnte. In einem Spielfilm sagt es ausgedehnt etwas zu viel über den Protagonisten aus, weil eben überhaupt nichts unbeantwortet bleibt. In Rückblenden wird ebenfalls ordentlich in die gleiche Nacktkerbe geschlagen. Die schwedische Ausstauschschülerin, die in seinen Kindertagen nackt über den Flur lief – aus dem Off wird dies vom Protagonisten als „tiefgreifende Erkenntnis seines Lebens“ bezeichnet. Vielleicht tiefgreifend, aber keinesfalls tiefschürfend. Ben kommt in der Summe als reichlich oberflächlich rüber. Dass er als heterosexueller junger Mann Interesse an nackten Frauenkörpern hat, geschenkt – aber da macht man doch keinen Film drüber! Zumindest nicht nur. Denn eine Anekdote wie die der Austauschschülerin hat jeder zu erzählen und die Geschichten sind austauschbar.

Der Versuch weiterer Charakterisierung liegt in dem typischen Coming-of-Age-Thema. Angeblich muss dieser Ben wohl noch seine eigenen Wünsche und Gedanken ordnen. Und verstehen, dass Selbstmitleid und sonstiges Verharren in einem schlechten Zustand keine Lösung bringen, sondern man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss. Ach, nee.

Immerhin ganz versöhnlich endet die Sache durch eine Reinterpretation des Gimmicks: Die Zeit anhalten und Vergangenem hinterhertrauern sollte man nicht im Negativen, sondern in den schönsten Momenten seines Lebens. So steht man immerhin mit einer positiven Emotion von der Couch auf.

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