Momo


Originaltitel:
Momo
Jahr:
1986
Eingetragen:
22.02.2017
IMDB-Wertung:
6,6/10

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Das obdachlose Mädchen Momo (Radost Bokel) wirbelt das beschauliche Leben in einer italienischen Kleinstadt gehörig durcheinander. Mit ihrer naiv-aufgeschlossenen Art wird sie zur Freundin Aller und zum kommunikativen Dreh- und Angelpunkt. Damit tritt sie jedoch den mysteriösen grauen Männern (angeführt durch Armin Mueller-Stahl) auf die Füße, die nicht uneigennützig die Bevölkerung zum Zeitsparen anhalten.

Effizienz, die Optimierung des eigenen Lebens, Karrieredenken und die Ablehnung allen „Unnützens“ – die grundlegende Kapitalismuskritik ist für sich gesehen gar nicht mal das wirklich Bemerkenswerte. Interessant wird die Sache einerseits durch die Charakterisierung der eher menschlichen Gesellschaft durch die vertrödelte mediterrane Misswirtschaft, in der man sich zwar manchmal um Nichtigkeiten in die Haare bekommt, aber sich auch Zeit nimmt, anderen eine Freude zu machen oder seiner Fantasie freien Lauf zu lassen, in die die teutonische Strenge in Form der grauen Männer in ihren Mercedes einfährt.

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Verplant, aber sympathisch gegen kaltherzig und erfolgreich – die Wahl wird einem als Zuschauer leicht gemacht, aber trotzdem bleiben die jeweiligen Entscheidungen der erwachsenen Charaktere, die einer nach dem anderen von der Zeitsparkasse verführt werden, halbwegs nachvollziehbar.

Sehenswert stellenweise auch das Produktionsdesign. Die grauen Männer mit ihren fahlen Gesichtern, glattrasierten Schädeln und steifen Anzügen sind insbesondere in ihren Massenszenen trotz einfacher Mittel eindrucksvoll (später wieder in Dark City wieder aufgegriffen?). Die Veränderung des Stadtbilds durch ihren Einfluss trifft ebenfalls den Punkt; nur schade, dass durch einen zeitlichen Handlungsbruch dies nicht sukzessive und schleichend geschieht, sondern von einer Szene zur anderen.

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Die philosophischen Ansätze bleiben natürlich halbgar; was bedeutet es, Zeit zu „sparen“? In gewisser Weise scheint hier die Aussage durch, dies sei gar nicht möglich, denn hinter dem Begriff des Sparens steckt auch der Gedanke des Aufbewahrens zwecks späterer Verwendung. Was auf Zeit effektiv nicht zutrifft. So weit in Ordnung, doch damit ist man wieder bei der Frage, warum die Erwachsenen sich so leicht auf die grauen Männer einlassen. Im Falle des Sängers (Bruno Stori) passt es, da ihm Ruhm und Geld versprochen werden – doch das ist ja eigentlich gar nicht das Thema (Zeit)! Was hat aber glaubt der Frisör (Francesco De Rosa) von seiner gesparten Zeit, die ihm Mueller-Stahl vorrechnet, zu haben?

Ebenfalls nicht wegzudiskutieren ist die unterirdische Leistung Radost Bokels. Große Kulleraugen machen noch keine Schauspielerin, auch im Kinderbereich. Auf den verquollenen John Huston hätte man auch verzichten können. Und die Handlung überschreitet die Kitschgrenze leider auch ein paar Mal.

Insofern gut gemeint und auch sehenswert, aber nicht rundherum gelungen. Bokels schreckliche „Warums“ am Anfang sollte man zumindest aushalten, sonst verpasst man die eigentlichen Höhepunkte des Films.

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