Mio, mein Mio


Originaltitel:
Mio, min Mio
Jahr:
1987
Eingetragen:
22.02.2017
IMDB-Wertung:
6,4/10

Waisenkind Bosse (Nicholas Pickard) fühlt sich ungeliebt. Seine Pflegemutter (Gunilla Nyroos) ist nur am Rummäkeln und seinen Pflegevater bekommt er kaum zu Gesicht. Mit Gleichaltrigen hat er auch seine Probleme. Doch tatsächlich ist er der Sohn eines Königs (Timothy Bottoms), dessen Agenten ihn aufspüren und in das ferne Land holen. Dort ist jedoch auch nicht alles im Reinen.

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Denn: In dieser Märchenwelt gibt es zwar grüne Wiesen und singende Vögel, aber auch den bösen Ritter Kato (Christopher Lee), ein Unsterblicher, der auf seiner dunklen Burg haust und des Nachts Kinder entführt. Eine Legende besagt, dass nur der Prinz des Landes Kato besiegen kann. So macht sich Mio (wie Bosse wirklich heißt) gemeinsam mit seinem besten Freund Jum-Jum (American Psycho Christian Bale) auf in den gefährlichen, toten Wald, der zu dieser Burg führt.

Astrid Lindgrens Fantasy-Abenteuergeschichte bietet eigentlich guten Stoff für einen Film. Der jugendliche Protagonist, mit dessen Selbstzweifeln und Nöten man sich entweder identifizieren oder zumindest leicht mitfühlen kann, auf einer altruistischen Mission, die ihn in allerlei Gefahren bringt – ein besseres Fundament hätte man sich kaum wünschen können (siehe auch: Herr der Ringe).

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Timingprobleme plagen jedoch die Inszenierung. Der Vorgeschichte in Stockholm wird noch ausreichend Platz eingeräumt, um den Protagonisten zu etablieren. Nach der Ankunft im fernen Land geht es aber ziemlich Hals über Kopf auf die Reise. Mios Vater, der König, bekommt nichts zu tun, als ihn zweimal zu umarmen; seine Rolle in der Gesellschaft scheint sich darauf zu beschränken, kummergesenkten Haupts durch den Schlossgarten zu stolzieren.

Eine ebenso vernachlässigbare Rolle nimm Jum-Jum ein, der Mio immerhin im Hauptteil begleitet. Mehr aber auch nicht. Er ist immer mit dabei, tut aber effektiv nichts. Schlechtes Zeichen, wenn eine Rolle dramaturgisch komplett hätte gestrichen werden können.

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Apropos Abenteuer: Sicher musste man für eine zielgruppenkonforme Altersfreigabe ein paar Zugeständnisse machen. Doch so richtig gefährlich wird es dann überhaupt erst bei der Begegnung mit Fiesling Kato. Besonders ungeschickt: Gleich in der ersten Szene im Wald werden Mio und Jum-Jum gewarnt, niemandem zu trauen. Trotzdem helfen ihnen sämtliche Charaktere, die sie treffen. Ohne dass jemals Zweifel an der Vertrauenswürdigkeit aller aufkommen würde. Einzige Gefahr stellt die Verfolgung von Katos Häschern dar.

Kato selbst ist dagegen sehr gut gelungen. Lee spielt effektiv gegen die allgemeine Bedeutungslosigkeit des Geschehens an und seine Figur ist wunderbar philosophisch angelegt. Warum er all diese bösen Dinge tut? Das sei eben seine Rolle in der Welt. Er wird damit weniger zum bösen Antagonisten, als vielmehr zur Verkörperung des Konzepts des Bösen in der Welt. Etwas, vor dem man resignieren könnte, oder aber es bekämpfen. Wissend, dass es trotzdem ewig existieren wird.

Dies bringt einen versöhnlichen Abschluss zum im Mittelteil recht durchwachsenen Films. So dass man sogar verzeiht, dass das Wiedersehen Mios mit seinem Vater wieder nur aus einer Umarmung besteht.

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