Mädchen: Mit Gewalt


Originaltitel:
Mädchen: Mit Gewalt
Alternativtitel:
Mädchen… nur mit Gewalt
Jahr:
1970
Eingetragen:
30.07.2017
IMDB-Wertung:
7,1/10

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Das „neue deutsche Kino“: echte Themen, echte Menschen, echte Schauplätze. Soweit zumindest der Selbstanspruch. Praktisch kamen häufig verkopfte, pseudointellektuelle und vor Allem stinklangweilige Kammerspiele heraus. Auch Mädchen mit Gewalt plagt einiges davon.

Die Geschichte dreht sich um Mike (Arthur Brauss) und Werner (Klaus Löwitsch), die nach Büroschluss gemeinsam Frauen aufreißen. Einfach nur Sex ist jedoch nicht genug. Es müssen auch psychologische Machtspielchen dabei sein.

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Am nächsten Morgen: auf zu Runde 2!
Im Zentrum steht ihr Abend mit der naiven Alice (Helga Anders), die leicht angetrunken denkt, von den beiden zu einer Party mit ihren Freunden gefahren zu werden, bevor sie in einer Kiesgrube von Werner vergewaltigt wird. Was jedoch nur der Anfang einer langen Nacht ist.

Also tatsächlich ein Kammerspiel zwischen drei Charakteren an einem in sich geschlossenen Handlungsort. Als Höhepunkt des Films wird häufig die von Werner und Mike gestellte „Gerichtsverhandlung“ genannt, in der sie Alice überzeugen, dass eine Anzeige nur zu ihrem Nachteil sein wird. Doch es sind genau diese Momente, die nicht funktionieren. Es kommt die typisch deutsche „Gesellschaftskritik“ durch, die zwar intellektuell funktionieren mag, jedoch emotional durch die aufgesetzte Theatralik am Zuschauer abprallt.

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„Du denkst doch nicht etwa daran, uns zu verpfeifen?“
Es sind die kleineren Momente oder Symbole, die den Film dann doch sehenswert machen. Insbesondere die Dynamik zwischen den beiden Männern ist von Interesse, da ihr Zeit zur langsamen Entwicklung gelassen wird. Das stellt sich durchaus nicht unsubtil dar; beispielsweise muss man in der Anfangsszene erstmal bemerken, dass Werner anscheinend Mike Chef ist – eine Hierarchie, die sich im Privaten umkehrt. Oder wenn Mike nach dem Herumkurven im Auto, während Werner gerade mit Alice zu Gange ist, ebenfalls völlig erschöpft in den Sitz sinkt.

Alles in Allem bleibt Mädchen mit Gewalt schon eine primär intellektuell ansprechende Erfahrung gegenüber einer filmischen. Ob man das nun möchte, muss jeder selbst wissen. Doch für Aufgeschlossene ist es sich nicht der schlechteste Einstieg in ein solch selbsternanntes Kunstfilmgenre.

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