Parasiten-Mörder


Originaltitel:
Shivers
Jahr:
1975
Eingetragen:
27.01.2018
Bearbeitet:
22.07.2018
IMDB-Wertung:
6,5/10

Manchmal will man im Überschwang des jugendlichen Enthusiasmus eventuell etwas zu viel auf einmal. Vielleicht beherrscht man auch die Mittel noch nicht ganz. Und trotzdem kann etwas ganz Interessantes herauskommen – wenn man sich Shivers auch ehrlich gesagt wahrscheinlich nicht mehr erinnern würde, hätte David Cronenberg nicht im Anschluss noch eine solch große Karriere hingelegt.

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Dass Herr Cronenberg J. G. Ballard liest, weiß man spätestens seit seiner Crash-Verfilmung. Shivers könnte man als vom im gleichen Jahr erschienenen High-Rise inspiriert ansehen. In diesem Hochhaus-Mikrokosmos geht allerdings, und da scheint bereits der spätere Cronenberg durch, ein schleimiger Parasit um, der sich in immer mehr Bewohnern einnistet und diese in sexbesessene Zombies verwandelt und auch entsprechend übertragen wird, je nach Anforderungen der Szene aber auch zu blutiger Mordlust zwingt.

Zehn Jahre später hätte man diese Geschichte sicher als Allegorie auf Aids interpretiert. Zeitgeistig für die 70er Jahre ist immerhin die Hypersexualisierung der porträtierten Gesellschaft. Es reicht auch für einige – trotz Minibudget – recht spannend gedrehte und teilweise gut gespielte Szenen (natürlich nicht, wenn die schreckliche Barbara Steele beteiligt ist).

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Doch thematisch ist Shivers eben leider alles andere als stringent. Motive des Horrorfilms (Zombieangriffe, Verbarrikadieren in der Wohnung…) mischen sich wild mit scheinbar gesellschaftskritisch gemeinten Passagen, wodurch letztere leiden. Der Wolkenkratzer als Mikrokosmos wird dem Zuschauer nicht nachvollziehbar gemacht, es erschließen sich weder physische, noch logisch-gesellschaftliche Strukturen (das Thema in High-Rise). Stattdessen wird viel zu viel Zeit für unnötige pseudowissenschaftliche Erklärungen verschwendet, und das sogar bereits im ersten Akt – womit man sich eventuell an ein weiteres in den 70ern populäres Thema hängen wollte.

Zeithistorisch und im Bezug auf Cronenbergs spätere Karriere ist Shivers somit durchaus von akademischem Interesse. Filmisch hat er so einige Schwächen, die man später bei einem solch verehrten Regisseur nicht mehr akzeptiert hätte.

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