Frankensteins Rache


Originaltitel:
Revenge of Frankenstein
Jahr:
1958
Eingetragen:
05.06.2010
Bearbeitet:
06.06.2010
IMDB-Wertung:
6,9/10


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Tief einatmen
Baron Frankenstein (Peter Cushing) lebt im beschaulichen Städtchen Carlsbrück, wo er unter dem Namen "Dr. Victor Stein" eine gutgehende Praxis für wohlsituierte Bürger betreibt. Besonders bei dem weiblichen Teil der Bevölkerung ist er sehr geschätzt. Mit den Einnahmen finanziert er ein kleines Krankenhaus für die Armen, die sich keine medizinische Versorgung leisten können.

Der junge Doktor Hans Kleve (Francis Matthews) erkennt den Baron und erpresst sich einen Assistentenjob bei seinem geheimen Idol. In einem alten Weinkeller führen die beiden die Experimente des Barons fort, wobei das eine oder andere amputierte Körperteil sehr gelegen kommt.

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Sozialarbeit
Das zentrale Problem des letzten Experiments ist mittlerweile klar geworden: Zwar können fast alle Körperteile von Leichen benutzt werden, jedoch gibt es keine Möglichkeit, das Gehirn wiederzubeleben. Zur erfolgreichen Durchführung wird also ein lebendiges Gehirn benötigt. Zum Glück erklärt der verkrüppelte Karl (Oscar Quitak) sich bereit, das Risiko für die Chance eines gesunden Körpers auf sich zu nehmen.

Die Operation gelingt, jedoch stellen sich bei Karls neuem, makellosen Körper (Michael Gwynn) schon bald wieder die selben Lähmungssymptome ein, wie vorher. Gleichzeitig zeigt er schleichende Symptome von Wahnsinn. Der völlig panische Karl droht, die wahre Identität des Barons zu enthüllen...

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Monster?
Mit Frankensteins Rache sind den Beteiligten gleich mehrere Kunstgriffe gelungen. Es beginnt damit, dass der Baron am Ende des ersten Teils hingerichtet wurde. Mit genau dieser Szene fängt dieser Film an, und es wird ohne unglaubwürdig zu werden gezeigt, wie sich der Protagonist aus dieser scheinbar fatalen Lage befreien konnte.

Die darauf folgende Ausgangssituation kann man nur als bestens gelungen bezeichnen. Die zwei Gesichter des Barons als Wohltäter (er hilft den Armen) und gleichzeitig unmenschlicher Egoist (er nutzt sie als "Ersatzteillager", um endlich seinen "verdienten" Ruhm zu erlangen) werden in einer nie dagewesenen Schärfe gegeneinander gestellt. Es ist schon fast ironisch, wie sympathisch Frankenstein trotz seiner Methoden beispielsweise im Gegensatz zu den anderen auftauchenden Ärzten, die in ihrer elitären Art sehr schlecht wegkommen, wirkt.

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Gehirntransplantation
Überhaupt ist "Ironie" das Stichwort, das große Teile des Films am besten charakterisiert. Besonders sticht das gleich in mehrfacher Hinsicht hervorragende Ende heraus, indem es die (bis heute vorherrschende) Gleichsetzung des Namens "Frankenstein" mit der Kreatur auf hintergründige Weise aufs Korn nimmt.

Positiv hervorzuheben sind auch die kleinen Andeutungen auf das dunkle Ende. Obwohl im Laufe des Films die meiste Zeit lang alles nach den Plänen des Barons zu laufen scheint, werden für den aufmerksamen Zuschauer immer wieder kleine Details eingestreut, die einen stutzen lassen. So erzählt Frankenstein beispielsweise stolz von der gelungenen Hirntransplantantion bei einem Affen, während er diesen füttert. Achtet man nicht nur darauf, was er sagt, sondern was er tut in dieser Szene, erlebt man eine Überraschung...

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Monster!
Der vielleicht größte Fortschritt gegenüber dem ersten Teil sind jedoch die Szenen mit der "Kreatur". In Frankensteins Fluch waren sie durch ihre große Konventionalität eher ein Schwachpunkt, was zu gewissen Längen führte. In diesem Film ist die Kreatur originell und ihr Schicksal von Interesse.

Es ist kaum möglich, Frankensteins Rache in seiner hervorragenden Gesamtheit Rechnung zu tragen. Dass der Nachfolger eines erfolgreichen Films diesen sowohl an Originalität, als auch in der Umsetzung übertrifft, ist äußerst selten. Hier ist es gelungen, und sogar bei Weitem! Und das bei aller Spannung auch der Humor nicht zu kurz kommt (u.A. Anfangs- und Schlussszene), bestärkt einen nur noch in diesem Urteil.

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