Leichen pflastern seinen Weg


Originaltitel:
Il grande silencio
Jahr:
1968
Eingetragen:
27.06.2018
IMDB-Wertung:
7,7/10

In der verschneiten Bergwüste Utahs ist die Stimmung angespannt. Halsabschneider wie Pollicut (Luigi Pistilli) – in Personalunion Friedensrichter, Bankier und Einzelhändler – treiben die hart arbeitende Bevölkerung in die Armut und damit in die Kleinkriminalität. Das wiederum ruft ganze Rudel voller Kopfgeldjäger in die Gegend, die sich einen Dreck um Einzelschicksale scheren. Tot bringen die Outlaws genausoviel Kopfgeld wie lebend und tot sind sie einfacher zu handhaben.

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Der neue Gouverneur (Carlo D'Angelo) will dem Treiben ein Ende bereiten und schickt deshalb den erfahrenen Sheriff Burnett (Frank Wolff) in die Gegend. Zusätzlich befindet sich auch Revolvermann Silence (Jean-Louis Trintignant) auf dem Weg dorthin. Dieser ist dafür bekannt, sich auf eigene Rechnung mit den ihm verhassten Kopfgeldjägern anzulegen. Seine Masche, seine Opfer zu provzieren, bis sie ihre Waffe ziehen, lässt ihn jeweils mit dem Argument der Selbstverteidigung davonkommen, wenn er sie niederschießt. Doch so gut Silence und auch Burnett mit dem Revolver sein mögen, haben sie nicht mit dem gnadenlosesten der durch die Justiz bezahlten Killer gerechnet: Loco (Klaus Kinski).

Die Stärke des Westerns liegt einerseits in seinem ungewöhnlichen Schauplatz, der nicht nur optisch ungewohnt daherkommt, sondern dessen Eigenheiten auch in die Handlung einfließen – beispielsweise, wenn die Gesetzlosen geklaute Pferde verspeisen müssen oder die Kopfgeldjäger die Leichen ihrer Opfer einfach im Schnee verscharren, um sie bis zur Identifikation zu konservieren. Dazu kommen einige Charakterdetails, wie die hochmoderne automatische Pistole Silences sowie die Erkenntnis, dass eben jener auch kein ganz so strahlender Held ist: Für seine Dienste kassiert er genauso und in gleicher Höhe ab, wie die Kopfgeldjäger.

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Zweitens schwingt ein zeitgeistiger gesellschaftspolitischer Subtext mit. Die Aufrechterhaltung des gesellschaftlichen Friedens ist in diesem Mikrokosmos komplett durchkommerzialisiert. Die privaten „Unternehmer“, in deren Hände das Gesetz damit gekommen ist, folgen dabei den kapitalistischen Gesetzen der Maximierung persönlicher Vorteilnahme, haben sich dabei jedoch größtmöglich von der Intention jener Gesetze entfernt. Kritik, heute aktueller denn je, die mit dem wohl trostlosesten Ende der Filmgeschichte, in dem der genretechnisch angenommene „Rächer der Enterbten“ erschossen, die zwei mit ihm sympatisierenden Einwohnerinnen des Dorfes wie Abfall entsorgt und schließlich alle gefesselten Geiseln niedergemäht werden, die Krone aufgesetzt bekommt.

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