Regression


Originaltitel:
Regression
Jahr:
2015
Eingetragen:
27.07.2018
IMDB-Wertung:
5,7/10

„Dieser Film beruht auf wahren Begebenheiten.“

Wenn es schon mit einer solchen Einblendung beginnt, dann sollte man schonmal keinen allzu abgehobenen Horrorgeschichten mehr erwarten. Es sei denn, es geht in die absurd bis unfreiwillig komische Richtung. Je nach Stimmung kann beides seinen Reiz haben, oder eben auch nicht. Regression unternimmt auf jeden Fall den Versuch, ernstgenommen zu werden und geht dazu den Weg der Darstellung recht dröger polizeilicher Ermittlungsarbeit aufgeregt gezeichneter, aber stoisch gespielter Charaktere. Wenn das mal gut geht.

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Ausgangspunkt ist dabei die sensationsheischende Thematik: Teenager Angela Gray (Emma Watson) beschuldigt ihren Vater John (David Dencik) des sexuellen Missbrauchs. Damit nicht genug, die Vergewaltigungen sollen im Rahmen satanistischer Rituale stattgefunden haben. John gibt vor, sich an nichts erinnern zu können, bekennt sich jedoch trotzdem aus dem Vertrauen gegenüber der Aussage seiner Tochter heraus schuldig. Einzig der ermittelnde Detective Bruce Kenner (Ethan Hawke) will dieses Geständnis ironischerweise nicht akzeptieren und zieht den Psychologen Kenneth Raines (David Thewlis) hinzu. Dieser wendet eine experimentelle Hypnosemethode an, die verdrängte Erinnerungen wecken soll. Tatsächlich fördert er so Beschreibungen Johns zu Tage, die die Vorwürfe zu bestätigen scheinen. Allerdings stehen diese im Detail im Widerspruch mit Angelas Aussage wie auch ebenso hypnotisch geweckten Erinnerungen ihres Bruders Roy (Devon Bostick). Gleichzeitig fühlt sich Kenner selbst immer stärker verfolgt, kann teilweise nicht mehr zwischen Alpträumen und echter von der satanistischen Gruppe ausgehenden Gefahr unterscheiden.

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Irgendwo unter der ganzen Hysterie begraben steckt da schon ein relevantes Thema drin: die Frage, inwiefern man scheinbare Erinnerungen beeinflussen, steuern oder sogar suggerieren und damit aus dem Nichts erzeugen kann. Sowie welchen Einfluss die Medien auf der Suche nach der nächsten Sensation nehmen. Nur ist der Pfad zu eben jenen überhaupt erst am Ende gestellten Fragen nicht einmal steinig, sondern einfach… öde? Mehr als eine Stunde treten Geschichte und Charaktere ausnahmslos auf der Stelle. Weder werden im Krimi-Sinne neue Spuren untersucht oder verworfen, noch geschieht etwas im Horror-Sinne. Bis dann – deus ex machina – die Hauptfigur einfach irgendwann eine Eingebung hat, die alle vorher formulierten – „entwickelten“ kann man nicht sagen – Theorien einfach auf den Kopf stellen. Was an dem Punkt aber keinen Zuschauer mehr interessieren dürfte und auch bis zum dann endlich nahenden Schluss nicht mehr in seinen Implikationen diskutiert wird.

Bei der Aufgabe, der Wüste absoluter Ödnis mit Restinteresse zu entkommen, hilft nicht, dass alle Hauptpersonen ihre Rollen mit jeweils exakt einem Gesichtsausdruck und gleichbleibender Gefühlsregung bestreiten. Watson guckt wie ein verschrecktes Reh und wimmert in ihren wenigen Szenen Irrelevantes in die Kamera. Hawke ist grimmig und hört nicht richtig zu. Thewlis will wohl Karriereambition zeigen. Dencik versteht die Welt nicht mehr. Keiner von ihnen taugt als Identifikations- oder Aversionsfigur, mit der man mitfühlen oder sich reiben könnte. Abziehbilder, die in clichéhafter Düsternis vor sich hin warten, bis ihre Filmzeit endlich abgelaufen ist.

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