Open Windows


Originaltitel:
Open Windows
Jahr:
2013
Eingetragen:
29.09.2018
IMDB-Wertung:
5,2/10

Der Übergang von europäischem No-Budget zu US-amerikanischem Produktionen mit immerhin messbarem Budget gestaltet sich nicht immer einfach. So schaut sich Nacho Vigalondos Open Windows erwartet holprig. Und das, obwohl eigentlich ein sehr relevantes Thema in diesem Chaos schlummert.

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Die Geschichte dreht sich um Nick Chambers (Elijah Wood), proto-nerdiger Betreiber einer inoffiziellen Fanwebseite über die Schauspielerin Jill Goddard (Sasha Grey). Er hat ein Treffen mit seinem Idol gewonnen, das nach der Vorstellung ihres neuen Films stattfinden soll. Noch vorfreudig wird er in seinem Hotelzimmer von einem gewissen Chord (Neil Maskell) kontaktiert, der sich als Teil von Jills Management vorstellt. Das Treffen sei abgesagt. Noch am Boden zerstört bemerkt Nick kaum, wie der Anrufer die Konversation in seltsame Bahnen lenkt. Er hetzt Nick gegen Jill auf, gibt ihm über seinen Laptop Zugriff auf ihr gehacktes Telefon sowie später auch ihre Laptopkamera. Mittels einer weiteren Überwachungskamera kann Nick das private Treffen zwischen Jill und ihrem Manager/Liebhaber Tony (Iván González) virtuell beiwohnen.

Soweit die ersten dreißig Minuten, die den schmalen Grat zwischen Fansein und Stalking in Zeiten des Internet sowie den damit verbundenen Voyeurismus durchaus treffend auf den Punkt bringen. Doch dann verlässt Vigalondo anscheinend der Mut oder aber es tritt die übliche Problematik fast aller „Hackerfilme“ ein: Der eigentliche Prozess des Einbrechens in fremde Computersysteme ist schwierig bis gar nicht interessant darstellbar, also verlässt man dieses Terrain und bietet stattdessen austauschbare Actionszenarien. So dass Nick sich plötzlich mit Tony herumschlagen muss, in Autoverfolgungsjagden gerät usw. Nur vereinzelte Szenen deuten noch auf eine durchdachte Weiterführung des ursprünglichen Themas hin; beispielsweise, wenn Nick über die Computer schließlich mit Jill interagiert und ihr sozusagen Regieanweisungen gibt. Chord fordert ihn auf: „Sagen Sie ihr, was Sie von ihr wollen. Sie wird alles machen.“ Womit er wohl recht hat, da Jill sich in diesem Moment unter erpresserischem Druck befindet. Doch dann ist es eben doch wieder Chord, der sie auffordern muss zu strippen usw. Dabei hätte man hier die Gelegenheit gehabt, Nicks geheime Wünsche im Bezug auf seinen Star nach Außen treten zu lassen. Oder man hätte ihn zumindest in dieser Situation, wie er es vorher fleißig tat, weiter Bildschirmfotos machen lassen können, was auch schon ausreichend verräterisch gewesen wäre. Was jedoch ebensowenig geschieht.

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Die sich immer absurder steigernden Handlungswendungen, wenn sich dann irgendwann auch noch eine französische Hackergruppe (deus ex machina) einmischt, Identitäten in Frage gestellt werden (deren Auflösung jeweils das vorher gesehene nur noch unsinniger machen) usw. machen den Film mit steigender Laufzeit leider inhaltlich nur immer konventioneller. Der Bösewicht als „dunkles Spiegelbild“ des Helden – gähn! Natürlich folgen die üblich schwachsinnigen Aussagen übers Hackertum: Anscheinend muss man, um ein toller Hacker zu sein, nur das Computerequipment eines anderen stehlen. Der Scherz, treibende Hintergrundmusik in einer Szene mitnichten als Filmmusik, sondern aus dem Autoradio kommend, zu entlarven, kommt beim ersten Mal noch ganz gut, aber die Wiederholung macht ihn nicht besser. Und auch stilistisch verlässt man recht schnell den anfangs noch zelebrierten ausschließlichen Blickwinkel durch Nicks Laptopbildschirm.

Was die Schauspieler angeht, bestreitet Wood seine Rolle mit exakt einer Gefühlsregung und dem, was er wohl für einen dazu passenden Gesichtsausdruck hält. Immerhin passt er vom Menschentyp in seine Rolle. Das Casting Sasha Greys ist dagegen kaum nachvollziehbar. 2013 sollte auch der letzte Depp erkannt haben, dass ihr eine Mainstreamkarriere natürlich nicht gelingen würde. Die Autoren hielten es wohl für unglaublich geistreich, ihrer Rolle Aussagen in den Mund zu legen wie: „Ich bin ganz sicher nie in einem Pornofilm aufgetreten!“ Die fünf Zuschauer im Kinosaal bogen sich wahrscheinlich vor Lachen aufgrund der nicht an Plattheit zu unterbietenden Metaebene. Davon, in solch billigen Horrorfilmen wie dem eingangs gezeigten, aufzutreten, kann Fräulein Grey weiterhin nur träumen.

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Das Beinahe-Ende der inszenierten und live ins Internet gestreamten Hinrichtung Jills sollte dann wohl das Thema abschließend nochmal zugespitzt auf den Punkt bringen: die Sensationsgeilheit scheinbarer Fans usw. usf., sowie „natürlich“ die Projektion auf eben diese Emotion der Zuschauer des Films selbst (siehe Funny Games). Selbst wenn es an diesem Punkt des Films nicht bereits zu spät wäre, wird dieser Gedanke jedoch dann sofort von der letzten, unnötigen und endgültig absurden Wendung weggewischt. Die trashige Machart des thematisch ähnlich gelagerten Killing Candy kommt da vergleichsweise sogar beinahe noch konsistent-ehrlicher weg.

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