Grand Piano – Symphonie der Angst


Originaltitel:
Grand Piano
Jahr:
2013
Eingetragen:
24.12.2018
Bearbeitet:
26.12.2018
IMDB-Wertung:
5,9/10

Das erste Konzert des Pianisten Tom Selznick (Elijah Wood) seit fünf Jahren steht bevor. Einst ein umjubelter Star seiner Branche zog er sich nach einem fatalen Aussetzer auf der Bühne vollständig zurück. Der Tod seines Mentors, nebenbei Komponist des „unspielbaren“ Stücks, an dem er seinerzeit öffentlich scheiterte, sowie die Initiative seiner Frau Emma (Kerry Bishé) haben ihn wieder aus der Versenkung geholt. Doch sein Selbstvertrauen ist immer noch am Boden. Entsprechend sicher gehalten ist die Auswahl der Musik dieses Mal.

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Das Konzert beginnt. In Toms Noten findet sich eine rot geschriebene Warnung: Spiele er auch nur eine einzige falsche Note, werde er sterben. Und zum Abschluss solle er das unspielbare Stück geben, wo der Perfektionsanspruch selbstverständlich weiter gelte. Der Laserpointer eines Scharfschützengewehrs widerlegt die Annahme eines schlechten Scherzes. Und der Erpresser (John Cusack) bedroht zu allem Überfluss auch noch Emma. Doch was will der Mann überhaupt? Wirklich nur ein perfektes Konzert?

Hitchcocks klimaktische Szene aus Der Mann, der zuviel wusste auf einen ganzen Film ausgedehnt. Könnte durch den Kniff, den Pianisten zum Protagonisten zu machen, gelingen. Oder hätte gelingen können, wenn man den Mut gehabt hätte, den extrem eingeengten Handlungsraum der Konzertbühne wirklich nicht zu verlassen. Denn das hätte konzeptuell wie auch symbolisch einiges gehabt: inmitten von Leuten, aber trotzdem allein. In bekannter Umgebung, aber trotzdem exponiert. Selbstgewählt auf dem Präsentierteller. Auch so hätte man das sich langsam herausschälende Thema der unterschwelligen Konkurrenz zwischen Tom und Emma, die ihn als Filmstar in ihrer Popularität weit überflügelt hat, entwickeln können. Wahrscheinlich sogar besser und stärker, als es tatsächlich passiert.

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Denn: Dieser Mut zur bedingungslosen Fokussierung fehlte. Es gibt mäßig komische Einlagen um ein befreundetes Ehepaar (Allen Leech und Tamsin Egerton), die nicht wissen, was klassische Musik ist. Viel Hin- und Hergerenne Toms, der immer wieder Gelegenheiten findet, seinen Flügel zu verlassen. Und ein völlig überinszeniertes Ende, das von der Idee des Auswegs aus der scheinbar auswegslosen Situation gar nicht mal schlecht, aber unangenehm großspurig gefilmt ist und in einer pseudospektakulären Prügelei an einem pseudospektakulären Gefahrenort endet. Alles unnötig!

Positiv zu vermerken sind immerhin der Kurzauftritt Alex Winters (der Mann scheint nicht zu altern) sowie die Brechung der an sich lachhaften Erklärung, warum all das stattfand, im Fade-Out der Schlussszene - natürlich war alles nur ein MacGuffin. Insofern versöhnlicher Abschluss.

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