Der 4½ Billionen Dollar Vertrag


Originaltitel:
The Holcroft Covenant
Jahr:
1985
Eingetragen:
24.02.2019
IMDB-Wertung:
5,7/10

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Kann daraus Gutes entstehen?
Manche Ideen müssen wohl auf dem Papier besser geklungen haben als ihre Umsetzungen schließlich zu zeigen im Stande sind. So könnte auch der Nazi-Geheimbund, der eine große Weltverschwörung plant, dazu aber einen unverdächtigen Sympathling an der vermeintlichen Spitze braucht, irgendwo brauchbar erschienen sein. In solcher Konzeptphase waren die diversen Unklarheiten und (scheinbaren) Plotlöcher natürlich noch nicht sichtbar.

So stolpert Michael Caine in diesem Film als amerikanischer Architekt Holcroft in ein wirres Abenteuer. Sein ihm unbekannter Vater – der Nazi-General Clausen (Alexander Kerst) – habe gemeinsam mit zwei Mitstreitern (Michael Wolf und Hugo Bower) kurz vor Kriegsende reumütig Millionen angelegt, die mittlerweile zu Milliarden verzinst wurden (der übliche Übersetzungsfehler des englischen billion zur deutschen Billion…). Holcroft solle nun der das Geld verwaltenden Stiftung vorsitzen und damit Nazi-Opfer entschädigen. Beraten von den Nachfahren der anderen Generäle (Anthony Andrews, Victoria Tennant und Mario Adorf). Holcrofts Mutter (Lilli Palmer) wittert einen Trick ihres mittlerweile verhassten Ex-Ehemanns.

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Und behält damit natürlich recht, denn wo wäre sonst der Film? Nur: Wenn Holcroft am Ende seine große Rede hält, die das ganze Komplott aufdeckt und die schuldigen Verschwörer benennt, bleibt man als Zuschauer nicht nur völlig ratlos zurück, woher er plötzlich all diese Informationen zu haben glaubt (Wirklich nur aus diesem einen Versprecher einer anderen Person?), sondern auch, wie dieser Plan bitte hätte jemals funktionieren sollen. Destabilisierung aller Regierungen, so dass die Welt nach einem „starken Anführer“ ruft… na ja, gerade noch akzeptabel – nur fehlt irgendwie der Schritt, diesen eigenen Kandidaten als eben jenen Führer zu etablieren. Und überhaupt, wofür sollte Holcroft nochmal gebraucht werden? Ach ja, als unverdächtiges Aushängeschild. Das dann aber prompt ermordet wird oder was? Wieso dann überhaupt den Umweg darüber, seine Unterschrift unter irgendeinen Vertrag zu erschleichen? Und, und, und…

Der Weg dorthin ist immerhin recht packend erzählt und inszeniert. Spione überall, aber welche Seite schickt sie? Manche wollen Holcroft ermorden, manche scheinen ihn zu schützen. Ein alter Nazi (Richard Münch) zieht Fäden im Hintergrund und schickt ebenfalls seine Häscher, aber mit welchem Ziel eigentlich? Diese Art der atemlosen Vorwärtsbewegung, der dauernden Unklarheit, die dem Zuschauer niemals festen Boden irgendwelcher Tatsachen gewährt, ist an sich prädestiniert dafür, einen auch leicht abstruse Handlungskonstrukte schlucken zu lassen. Aber einige Fremdschämmomente – insbesondere rund um die von Victoria Tennant gespielte Figur – reißen einen leider immer wieder aus der Immersion heraus und reaktivieren den kritischen Blick, der den Vertrag nicht gut aussehen lassen.

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