Geheimaktion Crossbow


Originaltitel:
Operation Crossbow
Jahr:
1965
Eingetragen:
24.02.2019
IMDB-Wertung:
6,6/10

Es ist schon witzig, wie wenig man sich selbst 20 Jahre nach Kriegsende von den Nazi-Legenden emanzipiert hatte. Insbesondere, dass man sich anscheinend die Bestätigung solcher Legenden im britischen Kino zu eigen machte, um einen Spannungsfilm zu inszenieren. In diesem Fall nämlich die hartnäckige Geschichte der Nazi-Superwaffen, die den Krieg in letzter Sekunde noch hätten kippen können.

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Nachdem man ein Mittel gegen die auf London gerichteten „fliegenden Bomben“ der Deutschen gefunden hat, soll eine Gruppe Agenten (George Peppard, Jeremy Kemp und Tom Courtenay) in die Entwicklung der Nachfolgeraktete V2 eingeschleust werden. In großer Hast waren Kandidaten mit deutschen Sprachkenntnissen und Ingenieurshintergrund gesucht worden. Mit Tarnidentitäten werden die drei auf den Kontinent geschleust. Doch so Einiges geht schief: Eine der Identitäten erweist sich als äußerst unvorteilhaft, ein anderer droht durch die Ehefrau des echten Mannes (Sophia Loren) enttarnt zu werden und in der unterirdischen Fabrik angekommen werden die übrigen schließlich voneinander getrennt.

Bemerkenswert an der Sache ist die recht kompromisslose Inszenierung. Ganz im Sinne des jedes Mittel heiligenden Zwecks geht eine Person nach der anderen drauf und werden auch die Tode mehr oder weniger Unbeteiligter in Kauf genommen oder sogar selbst herbeigeführt. Die gesamte Mission erweist sich als Himmelfahrtskommando, das zwar in gewissem Sinne mit Erfolg gekröhnt wird, aber trotzdem allen Beteiligten das Leben kostet – was ihnen auch zumindest im letzten Drittel vollkommen klar ist.

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Spannend und im klassischen Sinne tragisch allemal, wobei man allerdings in der Rückbetrachtung eingestehen muss, dass man mit dieser Geschichte über die pathetisch-platte „Opferhaltung für eine größere Sache“ niemals hinauswächst. Fragwürdige Facetten, wie beispielsweise die Szenen, in denen Peppard dem Naziprofessor Berechnungen zuarbeitet, werden niemals auch nur ansatzweise in ihrer moralischen Vielschichtigkeit reflektiert. Fragen, die der explizite Kinderfilm Das Geheimnis der stählernen Stadt sehr wohl zu stellen im Stande war.

Besetzungstechnisch schwankt man zwischen Licht und Schatten. Veteran Paul Henreid taucht anfangs in der undankbaren Rolle eines zweifelnden Nazi-Generals auf. In diesem Sinne überhaupt bemerkenswert, wie viel expositorische Zeit man allein mit den Deutschen verbringt, also eigentlich den Bösewichten – und wie positiv diese dargestellt werden. Lilli Palmer hat eine kaum größere, aber immerhin schön ambivalente Rolle. Anthony Quayle stolpert einmal kurz durchs Bild, wird später aber plötzlich unvorhersehbar wichtig. Ebenso scheint Jeremy Kemp erst die ihm so auf den Leib geschusterte Rolle des abgehobenen britischen Offiziers zu geben, doch wenn man ihn gegen Ende kahlrasiert und mit schmutzigem, zerfurchtem Gesicht sieht, wächst seine Präsenz über die Erwartungen hinaus. Zuguterletzt ist Peppard als Actionheld natürlich brauchbar, jedoch muss schon die Frage erlaubt sein, wie ein Charakter, der in jeder einzelnen Pose derart „amerikanisch“ aussieht, jemals eine glaubwürdige Tarnidentität als Niederländer hätte annehmen können.

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