Das Versteck – Angst und Mord im Mädcheninternat


Originaltitel:
La Residencia
Jahr:
1970
Eingetragen:
30.03.2019
IMDB-Wertung:
6,9/10

Direktorin Madame Fourneau (Lilli Palmer) führt ihre Internatsschule mit eiserner Hand. Schülerinnen, die nicht den strengen Regeln ihres Instituts folgen, müssen sogar mit körperlichen Züchtigungsmaßnahmen rechnen. Ein inoffizielles, hierarchisches System unter den Schülerinnen sorgt für eine Atmosphäre gegenseitiger Überwachung und Denunziation. Neuankömmling Teresa (Cristina Galbó) hat entsprechend Anpassungsschwierigkeiten, gerät immer wieder mit Irene (Mary Maude), dem verlängerten Arm der Direktorin, aneinander. Allein in Luis (John Moulder-Brown), dem Sohn der Direktorin, findet sie eine verwandte, einsame Seele.

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Die Duschaufsicht übernimmt die Direktorin gern selbst

Als dann Schülerinnen mysteriös verschwinden, scheint die Sache für die im Horrorgenre gestählte Zuschauerschaft klar: Die durchgeknallte Direktorin muss ja praktisch dahinterstecken. Dabei folgen ihre Handlungsweisen, wenn man mal hinter ihre Methoden schaut, durchaus einer nachvollziehbaren Logik. Aus ihrer Sicht brauchen ihre Schülerinnen, die ungewollten Kinder von Herren höheren Standes, eisenharte Disziplin, um ihr „schlechtes Blut” im Zaum zu halten und so überhaupt eine kleine Chance im Leben zu haben. Vordergründig gibt sie sich leidend Bestrafungsrituale durchführen oder ihnen beiwohnen zu müssen – doch Palmer bringt die psychischen Abgründe der unterdrückten Faszination, Anziehung und Begehren adäquat rüber und gibt den Geschehnissen damit eine weitere Bedeutungsebene. Ähnlich bröckelig erweisen sich weitere Figuren und auch Regeln des Instituts, wenn beispielsweise regelrecht formelle Prozesse definiert werden, welches Mädchen sich wann mit einem der wenigen männlichen Hausangestellten vergnügen darf, dies zwar niemals offen ausgesprochen wird, aber ein mehr oder weniger offenes und damit hingenommenes „Geheimnis“ zu sein scheint.

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Diese Atmosphäre völliger Doppelmoral und Unterdrückung erweist sich als idealer Nährboden für geistigen Verfall und schließlich Wahnsinn. So ist das Ende, das dann die durch die Zuordnung zum Horrorgenre geweckten Erwartungen dann doch noch auf den letzten Meter bestätigt, nur folgerichtig. Auch wenn die Ausgestaltung vielleicht überrascht, so ist es in seiner Art und Weise doch folgerichtig. Sparsam eingesetzte Ekeleffekte, die nicht aus Selbstzweck existieren, sondern vorsichtig und langfristig aufgebaut, sich geradezu verdient wurden – das ist echter Schrecken!

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