A Scanner Darkly – Der dunkle Schirm


Originaltitel:
A Scanner Darkly
Jahr:
2006
Eingetragen:
30.03.2019
IMDB-Wertung:
7,1/10

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Durch die Romane Philip K. Dicks der 70er Jahre zieht sich das Thema des Drogenkonsums. Der dunkle Schirm stellt insofern eine Art Abschluss dar, dass er sich in der Widmung von dieser Kultur erstmals distanziert. Diese düstere Warnung der psychischen Folgen versucht auch die Verfilmung auszusprechen. Nur liegen da 30 Jahre fortgeschrittener Medien-Popkultur zwischen. Denn bereits ein Jahr nach dem Roman spülten Cheech & Chong mit ihrem ersten Film Geld in die Kinokassen. Und mit leichter Verzögerung folgten dann noch die 90er- und 00er-Jahre, in denen sich eine Stoner- oder Slacker-Komödie an die nächste reihte.

So steht A Scanner Darkly, der Film, thematisch wie motivisch zwischen den Stühlen. Stellenweise intensive Szenen wechseln sich mit anderen ab, die heutzutage mit großer Wahrscheinlichkeit positiv rezipiert werden. Sinn- und ziellose Diskussionen wie diejenige um die Fahrradgangschaltung sind heutzutage durch intensive filmische Sozialisierung positiv besetzt. Die Hollywood'sche Prägung funktioniert dank Schubladendenken und die Assoziationen lösen die bekannten Emotionen der Zuschauerschaft aus. In diesem Fall: Spaß. Was wohl kaum der Intention der Macher entsprach, was ihnen aber auch nicht gelingt zu verhindern.

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Wie steht es im Gegenzug mit den Stärken? Inhaltlich bedrückend oder intensiv wird es leider immer nur dann, wenn lange Monologe gehalten werden. Teilweise sogar aus dem Off oder „in die Kamera“. Solche filmisch schwach ausgestalteten Szenen können leider kein Gegengewicht bilden. Ebensowenig die theoretisch vorhandene Thrillerhandlung, die niemals richtig in Gange kommt, obwohl auch ihr faszinierende Themen zugrundeliegen. Das Dick'sche Spiel mit fließenden Identitäten, die Paranoia rund um permanente Überwachung, Manipulation, Übernahme staatlicher Aufgaben durch profitorientierte Privatunternehmen… nichts davon wird wirklich weiter verfolgt. Ebensowenig, wie sich Regisseur Richard Linklater anscheinend überhaupt für die Science-Fiction-Aspekte der Geschichte, deren Protagonist immerhin die Hälfte der Zeit in deinem futuristischen Tarnanzug herumläuft, interessiert.

Insofern: gut gemeint, aber letztlich wahrscheinlich wenig effektiv, da zu wenig an das Medium und die Zeit angepasst. Die Verfremdung des Rotoscopings passt gut in die gezeigte Welt, in der man sich als Zuschauer niemals sicher sein soll, was nun Wirklichkeit ist und was nicht. Aber darüber hinaus eben zu verquatscht, statt einfach zu zeigen, und wo gezeigt wird, geht es eventuell stellenweise nach hinten los. Wobei ambitioniertes Scheitern immer noch einer völligen Selbstanspruchslosigkeit vorzuziehen ist.

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