Die Todesfalle


Originaltitel:
Deadfall
Jahr:
1968
Eingetragen:
30.07.2019
IMDB-Wertung:
5,7/10

Die allgemeingültige Konvention der 60er Jahre war es, dass Einbrecherfilme grundsätzlich Komödien zu sein hätten. Zentraler Bestandteil der Inszenierung musste ein minutiös ausgeführter Diebstahl nach intensiver Vorbereitung sein. Die Todesfalle weicht zumindest von einem der beiden Kriterien ab und ist insofern erstmal interessant. Wenn auch leider nicht in dem was es versucht sonderlich erfolgreich.

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Im Zentrum der Erzählung steht die Dreiecksbeziehung zwischen Henry (Michael Caine), seines Zeichens obsessiver Einbrecher, den wir bei seinen Vorbereitungen kennenlernen, mehr über sein nächstes Ziel zu erfahren – er weist sich selbst in eine Alkoholentzugsklinik ein, um dem stinkreichen Playboy Salinas (David Buck) nahezukommen – sowie dem ungleichen Ehepaar Richard (Eric Portman) und Fé (Giovanna Ralli). Richard ist Veteran des gleichen Geschäfts und sieht in Henry einen möglichen Nachfolger, Ziehsohn… oder doch etwas anderes? Zwischen der viel jüngeren Fé und Henry gibt es dagegen – mit dem vollen Segen ihres Ehemannes – beidseitige anderweitige Interessen.

In der genretypischen zentralen Einbruchssequenz werden nochmal die primären Charakterisierungen der beiden Männer verdeutlicht: die altersbedingte Impotenz Richards sowie die wild-unkontrollierte Obsession Henrys. Eine Kombination, die schließlich das tragische Ende vorausdeutet.

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Nur stimmt von dieser Szene bis zum Ende hinten und vorne so Einiges nicht. So richtig vertraut man der (zugegeben eher lahmen) Figurenkonstellation nicht, und so werden im letzten Drittel wild willkürliche Traumata, Eifersüchteleien und dunkle Geheimnisse noch schnell mit in die Handlung geworfen (von Homosexualität bis hin zu Nazi-Kollaborateuren), ohne dass sich daraus jemals ein stimmiges Gesamtbild ergibt. Inszienierungstechnisch ist es im übertragenen Sinne nicht unähnlich. Der große Einbruch wird beispielsweise komplett stumm gezeigt und stattdessen mit der Musik eines Konzertes unterlegt, dem die Bewohner der mondänen Villa gerade beiwohnen. Immer wieder wird zu jenem Konzert auch zwischengeschnitten.

Nur hat das hier wie dort alles keinen Sinn. Regisseur Brian Forbes versucht sich in diesem Beispiel also an Hitchcock'scher Suspense, aber wohl ohne das Konzept so richtig verstanden zu haben. Wo Hitchcock in Der Mann, der zuviel wusste das entscheidende musische Motiv im Vorhinein immer und immer wieder in die Köpfe der Zuschauer hämmerte, gibt Forbes keinerlei Indikator, wie lange sein Konzert wohl noch gehen wird. Sind die verbrecherischen Helden bereits unter Zeitdruck oder nicht? Wer sind überhaupt die ausgeraubten Bewohner? Wo sitzen sie im Publikum? Alles unklar. So verpufft der intendierte Inszenierungskniff völlig zu der heißen Luft, aus der er letztlich besteht. Wie der gesamte Film.

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