Der Adler ist gelandet


Originaltitel:
The Eagle Has Landed
Jahr:
1976
Eingetragen:
29.11.2019
IMDB-Wertung:
6,9/10

In den 70er Jahren war man anscheinend mental so weit, Nazis als Protagonisten in Unterhaltungsfilmen zuzulassen. So darf eine deutsche Fallschirmspringereinheit unter dem Befehl Michael Caines das 1943 längst Sinnlose zu versuchen, durch die Entführung Churchills das Ruder des Krieges doch noch herumzureißen. Dazu nistet sich die Truppe zunächst unbemerkt in einem Dorf an der englischen Küste ein, getarnt in polnischen Uniformen, da der britische Premierminister hier bald durchreisen soll. Die Aktion ist gut vorbereitet und Unterstützung bekommen sie von einem gewissenlosen irischen Unabhängigkeitskämpfer (Donald Sutherland) und einer enttäuschten Möchtegern-Lady des Kolonialadels (Jean Marsh). Moment, klingt doch recht bekannt, oder? Richtig: Fünf gegen Casablanca zeigte bereits praktisch den identischen Plot – lange vor Jack Higgins' Roman.

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Dorfidylle?

So ganz traute man sich dann aber wohl doch nicht, die Nazis zu Helden zu machen. So wird ihr Kopf nicht nur von Sympathieträger Caine gespielt, sondern er wird gleich in der Anfangsszene als „eigentlicher Widerstandskämpfer“ charakterisiert, wenn er eine Jüdin retten darf. Die Mission nimmt er nur an, um seiner Einheit eine schlimmere Bestrafung zu ersparen. Eigentlich sind diese aufrechten Männer nur die Spielbälle der eigentlichen Fieslinge, die in ihren luxuriösen, sicheren Arbeitsstuben sitzen (Donald Pleasence, Robert Duvall), will uns der Film glauben machen. Eine nicht unübliche Verdrehung historischer Tatsachen in diesem Sektor. Doch um es dem britischen Publikum noch leichter zu machen, lässt man dann die Deutschen untereinander Englisch mit deutschem Akzent reden (Englisch soll ja wohl für Deutsch stehen in diesen Szenen, ergibt also keinerlei Sinn) und Redewendungen wie „die Attacke der Leichten Brigade“ verwenden (ein geflügeltes Wort, das sich auf ein Ereignis der britischen Militärhistorie bezieht, also ebenfalls höchst unwahrscheinlich).

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Weg mit der falschen Uniform

Mag all dies zweifelhaft bis ärgerlich sein, so ist die Inszenierung zumindest ab dem Punkt, als die Einheit in England eintrifft, über jeden Zweifel erhaben. Spannungsszenen werden gezielt und effektiv gestaltet. Die Szene, in der Deutschen schließlich enttarnt werden, fällt zwar auch ansatzweise in den Bereich des „Whitewashings“, kann mit ihrer bitteren Ironie jedoch trotzdem emotional voll überzeugen. Zum vieldiskutierten Genre der „Antikriegsfilme“ (so es denn solche überhaupt gibt) gehört Der Adler ist gelandet keinesfalls. Als Actionfilm funktioniert er sehr gut.

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