Das Quiller Memorandum: Gefahr aus dem Dunkel


Originaltitel:
The Quiller Memorandum
Jahr:
1966
Eingetragen:
28.03.2020
IMDB-Wertung:
6,3/10

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In Westberlin liquidiert eine Untergrundorganisation von Neonazis einen britischen Agenten nach dem anderen. Quiller (George Segal) erhält die zweifelhafte Ehre, als nächster zu versuchen, ihr Hauptquartier und die Drahtzieher ausfindig zu machen. Womit er sich logischerweise selbst in Gefahr begibt, denn auch er besitzt natürlich Wissen, dass der Obernazi mit dem Codenamen Oktober (Max von Sydow) gerne hätte.

Das Quiller Memorandum ist ein Spionagethriller, der seinen Zuschauer immer wieder in der Sicherheit scheinbarer Genrekonventionen wiegt, nur um dann immer wieder fundamental mit eben jenen Konventionen zu brechen. Da bandelt der obercoole Agent natürlich gleich mal mit einer lokalen Schönheit (Senta Berger) an. Die er aber dann, wenn es hart auf hart kommt, doch nicht eiskalt für das Missionsziel zu opfern bereit ist. Selbiger Agent stolpert ziemlich ziellos durch Berlin, keine der Spuren scheint zu irgendetwas zu führen. Nur um dann selbst von den Widersachern aufgegabelt zu werden. Und als man dann wieder gerade denkt, den Film mit seinem scheinbar unfähigen Protagonisten durchschaut zu haben, stellt der sich doch wieder als ganz fähig heraus.

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Auch in den anderen Figuren stellt es sich ähnlich ambivalent dar. Quillers kauziger Vorgesetzter (Alex Guinness) plant im Stil einer Sportbegegnung und spielt seine ganz eigene Partie. Oktober (Glanzleistung von Sydows) erfüllt das Cliché des durch sein nach außen gekehrtes hochzivilisiertes Auftreten besonders unterschwellig gefährlich in seiner passiven Aggressivität, aber letztlich liegt die wahre Bedrohung nicht in diesem offensichtlichen Bösewicht mit seinen Häschern in düsteren Gassen, sondern in sich durch die gesamte Gesellschaft ziehenden Strukturen. Wie soll man diese mit klassischen Methoden des Agentenspiels begegnen?

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Die Inszenierung ist diesem doppelbödigen Spiel absolut angemessen. Die Naziarchitektur Westberlins wird gezielt eingesetzt, ohne platt zu wirken. Der als großer Klimax erwartete große Angriff auf das dann endlich lokalisierte Nazihauptquartier wird nicht einmal gezeigt; stattdessen wird das Ergebnis nur in einem Nebensatz erwähnt. Stattdessen dürfen wir Zuschauer einem weiteren der hervorragend geschriebenen Dialoge beiwohnen: Zwei tragende Charaktere treffen sich ein letztes Mal, beide wissen, dass der jeweils andere lügt, aber keiner spricht es aus. Die unterschwellige emotionale Tragweite des Gesagten und auch des nicht gesagten spiegelt sich dabei in subtil gespielter Mimik und Gestik wider.

Dass so etwas in den Glanzzeiten James Bonds überhaupt produziert werden konnte, ist ein desto größerer Glücksfall. Dass er kommerziell gnadenlos untergegangen ist und bis heute auf eine Wiederentdeckung wartet, ist desto trauriger.

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