Die neun Pforten


Originaltitel:
The Ninth Gate
Jahr:
1999
Eingetragen:
28.07.2020
IMDB-Wertung:
6,7/10

Wenn sich ein Meister dem Genrefilm annimmt, denken natürlich erstmal alle, es gebe künstlerisch verklausulierte, verborgene Bedeutungsebenen. Und machen sich damit wahrscheinlich den Genuss eben dieses exzellenten Genrefilms kaputt. Denn die neun Pforten muss man als quasi-Nachfolger zu Angel Heart sehen, nicht mehr. Hier wie dort lebt die Geschichte von schrägen Charakteren und guter bildlicher Inszenierung der Spannung.

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Johnny Depp, seltsam besetzt, da seine Rolle „Dean Corso“ deutlich älter angelegt scheint, soll die Authentizität eines seltenen Buches prüfen. Nur drei Exemplare existieren davon auf der Welt und es handelt sich um eines der zentralen Werke des Satanismus. Bei seinem Auftraggeber (Frank Langella) könnte man glatt vermuten, er habe nicht nur wissenschaftliches Interesse. Um Corso herum sterben plötzlich Menschen. Er muss feststellen, nun mehrere Schatten zu haben – wohlmeinende (Emmanuelle Seigner) wie weniger wohlmeinende.

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Das gestaltet sich deshalb spannend, weil lange offen bleibt, ob Die neun Pforten nun ein waschechter Fantasyfilm ist, oder all die Morde und Attacken nur von verblendeten Spinnern herrühren. Spinnern mit viel Geld und Einfluss, aber trotzdem eben Spinnern. Oder hat der Teufel persönlich irgendwie seine Hand im Spiel? Langella und Lena Olin spielen sozusagen die verschiedenen Pole dieser Frage.

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Irgendwo dazwischen stolpert Corso herum, der trotz seiner obercoolen Art ziemlich blind und naiv bleibt. Der nicht erkennt, dass ihm die Szenen, die auf den Stichen des Buches abgebildet sind, im übertragenen Sinne selber passieren. Dass er eben nicht nur Beobachter ist, sondern zentraler Protagonist einer Geschichte, die er nicht kontrolliert, sondern die ihn an der Nase herumführt und in die er nur immer tiefer hineingerät. Insofern ist die Besetzung des 90er-Jahre-Yuppies eventuell schon wieder passend.

Leichte Schwächen zeigen sich eventuell bei jener Übertragung der mystischen Buchszenen in die Echtwelt. Einige sind als solche kaum mehr zu erkennen. Jedoch nicht durch starke Verklausulierung im Sinne eines intelligenten Rätsels, sondern eher im Gegenteil: zu profan. Spätestens die perfekte Schlussszene, in der Corso dann endlich sein scheinbares Schicksal erkennt und sich ihm hingibt, entschädigt dann allerdings für alles.

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