The Best Offer – Das höchste Gebot


Originaltitel:
La migliore offerta
Jahr:
2013
Eingetragen:
28.07.2020
IMDB-Wertung:
7,8/10

„In jeder Fälschung steckt etwas Echtes, und wenn es auch noch so klein ist.“

Virgil Oldman (Geoffrey Rush) ist Starauktionator und anerkannter Experte auf seinem Gebiet. Außerdem trägt er den wohl sprechendsten Namen der Filmgeschichte. Scheinbar geht er ganz in seiner Arbeit auf. Was jedoch nur wenige wissen: Er besitzt selbst eine umfangreiche Sammlung Frauenportraits und das nicht nur aus künstlerischen Gründen. Jegliche soziale Bindungen gingen ihm lebenslang ab, doch im Geheimen pflegt er Sehnsüchte nach dem scheinbar Unerreichbaren. Nur sein Komplize (Donald Sutherland), dem er sich bedient, mittels leicht manipulierter Auktionen die gewünschten Bilder selbst zu ersteigern, weiß davon.

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Oldman wird von der jungen Claire (Sylvia Hoeks) beauftragt, den Verkauf ihres umfangreichen Erbes zu organisieren. Die alte Villa steckt voller schöner Möbel und Kunstwerke. Was Oldmans Aufmerksamkeit im Speziellen erregt sind jedoch zwei besondere Dinge. Zweitens findet er immer wieder Teile eines anscheinend mechanischen Roboters, die Handwerker Robert (Jim Sturgess) zu rekonstruieren versucht. Erstens ist es Claire selbst, die immer wieder Ausreden findet, persönliche Aufeinandertreffen zu vermeiden.

Claire ist also praktisch das noch extremere Spiegelbild Oldmans: Sie lebt völlig von der Außenwelt abgeschnitten, hat panische Angst, nur das Haus zu verlassen. So wie Oldman niemals Jemandem die Hand schüttelt, sich selbst zum Essen Handschuhe überstreift usw. Oldmans Faszination für diese hochverletzliche Frau geht so weit, dass er seine eigenen Grundsätze schrittweise immer weiter über Bord wirft. Um mit ihr in Kontakt zu bleiben, schafft er sich ein Mobiltelefon an. Er, der immer perfekt Zuverlässige, vergisst Termine und vernachlässigt Pflichten.

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Wie der Film Oldman eigentlich sehenden Auges in die Falle laufen lässt, dass er eigentlich sehen müsste, wie die Projektion seiner tiefsten Wünsche zu gut ist um wahr zu sein und wie er es trotzdem glauben will, darin liegt die Kunst dieser Erzählung. Denn obwohl man als Zuschauer den Verdacht niemals abstreifen kann, die Zeichen sieht, wie alles etwas zu perfekt zusammenpasst (wie eben bei einer Fälschung, deren Erkennungsmerkmale Oldman selbst mehrfach im Film fallenlässt, ohne die Übertragungsleistung zu machen), wünscht man diesem Charakter doch sein Glück.

Die Verengung auf die Perspektive seiner Figur ist subtil, beinahe unmerklich. Trotzdem tut sie ihre Wirkung, denn so distanziert und situativ emotional brutal Oldman anfangs rüberkommen mag, so erkennt man doch seine eigene Schwäche, die er nur hinter der Fassade versteckt. Geoffrey Rushs Leistung in dieser Rolle ist neben der unaufgeregt-effizienten Inszenierung der zentrale Grundpfeiler des Gelingens dieses sehenswerten Außenseiterstoffes.

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