Apartment Zero

Poster
Originaltitel:
Conviviendo con la muerte
Alternativtitel:
Apartamento cero
Jahr:
1988
Eingetragen:
29.08.2021
TMDB-Wertung:
6,9/10


Hannes schreibt:

Man glaubt es aus heutiger Perspektive gar nicht mehr, dass Colin Firth mal als guter Schauspieler angefangen hat. So zum Beispiel seine Vorstellung als der emotional gehemmte Adrian. Derart in sich gekehrt, dass er trotz Wohnort Buenos Aires vor aller Welt geheim hält, ein Argentinier und nicht etwa Brite (wie jeder glaubt) zu sein. Aus finanziellen Gründen muss er einen Untermieter in seine Wohnung aufnehmen. Kein leichter Schritt für ihn. Doch in dem obercoolen US-Amerikaner Jack (Hart Bochner) scheint er den perfekten Kandidaten entdeckt zu haben.

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Einsamkeit der Großstadt

Zwischen den beiden entwickelt sich trotz oder gerade wegen ihrer gegensätzlichen Persönlichkeiten eine Freundschaft. Zeitweise wirkt es so, als sei sogar Potential für mehr. Ein seltsames Familienleben pendelt sich ein, in dem Adrian sozusagen die Rolle der Ehefrau übernimmt, kocht und Jacks Wäsche macht. Da sein Klassikerkino höchstens abends geöffnet ist – wenn überhaupt mal – hat er Zeit. Doch es läuft anders als beim seltsamen Paar.

Denn letztlich ist Jacks Rolle erstmal nur die eines Katalysators. Jedem in diesem Mikrokosmos des Mietshauses (inklusive der typischen Dynamik des Nachbarschaftsmobs zwischen Aktionismus und Wegschauen) gibt er erstmal, was sie am meisten brauchen, und hilft ihnen so, Frieden mit sich selbst zu finden. Allen voran Adrian, dessen „Bekannte“ Fotos früherer Filmstars sind, der nur in Filmallegorien spricht und Kontakt mit Nachbarn meidet. Ebenso Carlos (Fabrizio Bentivoglio), scheinbarer Womanizer, aber tatsächlich homosexuell. Oder die einsame Nachbarin (Mirella D'Angelo), die sich nicht von ihrem Arschloch-Ehemann zu lösen traut.

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Wie kann Adrian da nein sagen?
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Zugeknöpft und offenherzig

Bochner spielt Jack mit stoischem Gesichtsausdruck und breitem Kiefer, der nicht viel spricht, aber mit seinem Blick anderen das Gefühl gibt, verstanden zu werden und geborgen zu sein, sich öffnen zu können. Bis er dann nach einer Stunde auch mal selbst seine Figur ausgestalten darf. Denn wie alle anderen versteckt auch er sich hinter einer Maske, die sogar viel massiver ist. Nur scheinbar ist er der große Geber. Tatsächlich ist er von Adrian mittlerweile genauso emotional abhängig wie andersherum. Was schließlich zur großen, bitterbösen Katastrophe führt.

Zwar ist es ihm am Ende sozusagen gelungen, Adrian aus seinem Schneckenhaus zu bekommen; das Kino – großes Symbol des persönlichen Zustands durch die verschiedenen Phasen der Erzählung – läuft. Doch der Preis war hoch und der neue Adrian versteckt nun etwas anderes vor dem Rest der Welt. Höchst zynisch, sehr stark!

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