Der große König

Poster
Originaltitel:
Der große König
Jahr:
1942
Eingetragen:
30.10.2021
TMDB-Wertung:
6,8/10


Hannes schreibt:

Bereits seit den 20er Jahren begann die Reihe der sogenannten Fridericus-Rex-Filme. Historienschinken um die gute, alte Zeit absolutistischer Monarchie, rund um eine hochidealisierte Version des angeblich selbstlosen, uneitlen Königs, der das „Vaterland“ zu ungekannter Größe geführt habe. Eine Thematik, die in der Zeit der Nationalsozialismus selbstverständlich gerne weitergeführt wurde. 1942 wurde der Der große König zum Abschluss der lockeren Reihe. Die Regie wurde Propagandaspezialist Veit Harlan (Jud Süß, Kolberg) übertragen und für die Hauptrolle wurde mit Mitte 60 ein letztes Mal Otto Gebühr reaktiviert.

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Askese
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Prunk

Der Film inszeniert Geschehnisse aus dem Preußisch-Österreichischen Krieg im 18. Jahrhundert. Nach einer vernichtenden militärischen Niederlage, selbstverständlich Verschulden einzelner feiger Kommandanten und Regimenter, sieht es hoffnungslos aus für die Preußen, doch der standhafte König weigert sich zu kapitulieren („Sieg oder Untergang“). Eine eventuell rettende Allianz mit Frankreich kommt selbstverständlich keinesfalls in Frage; solcherlei Geheimverhandlungen führen nur verräterische Mitglieder des Königshauses. Die nächste große Schlacht kann gerade so gewonnen werden, allerdings nur durch die heldenhafte Eigeninitiative des Unteroffiziers Treskow (Gustav Fröhlich), der daraufhin allerdings in einen dramaturgisch notwendigen Konflikt durch Missverständnis mit dem König gerät. Frust und Verzweiflung des einfachen Volks darf stellvertretend Kristina Söderbaum (Opfergang) als Treskow Frau darstellen, die den gänzlich uneitlen Herrscher sogar (unerkannt) trifft. Fiese russische Generäle ([person}Paul Wegener[/person]) intrigieren trotz diplomatischer Annäherung des Zaren („denen kann man nicht trauen“). Friedrichs Pflichtgefühl verhindert sogar, dass er das Begräbnis seines eigenen Sohnes besuchen kann. In der abschließenden großen Schlacht „fällt“ Treskow als „Held“. Der Krieg ist gewonnen, aber anstatt einer großen Siegesparade besucht der König die einfachen Leute auf dem Land.

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Schlachtgetümmel
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Leiden

In der Rückbetrachtung Jahrzehnte später vielleicht etwas platt, aber mit durchaus großem Geschick werden also hier persönliche Schicksale mit plakativer großer Weltpolitik verwoben, die höchst historisierend die eigene Situation der Entstehungszeit reflektiert. Das Schicksal des Landes steht über allem, Opferbereitschaft bis in den Tod propagiert, wenn auch zugestanden wird, dass die persönlichen Entbehrungen schmerzlich seien. Die Projektion auf archetypische Figuren aus der normalen Bevölkerung und ihre Rolle im Schicksal der Welt, die sie zwar selbst nicht übersehen und verstehen können, aber trotzdem haben, ist ein Stilmittel, dessen sich Hollywood bis heute höchst optimiert bedient.

Womit Der große König als Anfangspunkt der Durchhaltefilme gesehen werden kann. Dies ist kein reines Heldenepos mehr, das das schnelle Kriegsende aufgrund deutscher Überlegenheit verkündet. Vielmehr wird die Zuschauerschaft eben auf entbehrungsreiche Zeiten eingestellt. 1942, als der Film herauskam, wahrscheinlich langsam angebracht. Allerdings hatte die Produktion bereits 1940 begonnen. So muss man neutral gesprochen eine Weitsichtigkeit zugestehen, die den meisten Produktionen der Zeit noch abgingen.

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Liebe
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Einsamkeit

Entsprechend des Prestigestoffes ist die Inszenierung pompös. Die Schlachten nehmen die chaotische Unübersichtlichtlichkeit der Kriegsfilme mehrerer Jahrzehnte später vorweg. Zeittypischer dagegen zeigen sich die dialog- und sogar monologlastigen Szenen in Innenräumen, wenn der Film zum schmierenkomödiantischen Kammerspiel wird und bedeutungsschwangere Sätze in die Kamera gesprochen werden. Die Besetzung erfolgte sehr gezielt nach Typen. Große schauspielerische Leistungen werden von den Darstellern nicht erwartet. Gebühr, mindestens 15 Jahr zu alt für die Rolle, ist eingefallen und gebückt – für dieses spezielle Drehbuch aber wohl trotzdem im Sinne des Stoffes, da trotzdem willens- und charakterstark geschrieben und mit passend fester Stimme gespielt.

Nach dem Krieg war Ende mit dem filmischen Friedrich-Kult. Ob es wirklich an einem Meinungsumschwung lag oder vielmehr einfach Hauptdarsteller Gebühr endgültig zu alt war, sei mal dahingestellt. Wie hochwirksame politische Propaganda funktioniert, demonstriert Der große König technisch meisterhaft, wenn auch inhaltlich selbstverständlich indiskutabel.

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