Der große Stromausfall – Eine Stadt im Ausnahmezustand

Poster
Originaltitel:
The Trigger Effect
Jahr:
1996
Eingetragen:
24.07.2022
TMDB-Wertung:
5,7/10


Hannes schreibt:

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Unausgesprochene Beziehungsprobleme
Die Beziehung von Matt (Kyle MacLachlan), Yuppie mit schlimmer Frisur und gutem Einkommen, und Hausfrau Annie (Elisabeth Shue) kriselt. Insgeheim wünscht sie sich einen „echten Mann“; Attribute wie Durchsetzungsfähigkeit bringt Weichei Matt trotz seiner Neigung zu cholerischen Anfällen aber nicht mit. Die wenigen verbliebenen potentiell schönen Momente der beiden werden mit großer Regelmäßigkeit vom frischen Nachwuchs unterbrochen. Ein langanhaltender Stromausfall in der gesamten Region wird zur Nagelprobe, denn wie allseits bekannt fallen in Krisensituationen die letzten Masken bürgerlicher Zurückhaltung.

Der Film beginnt hervorragend: Im Gewimmel eines Einkaufszentrums folgt die Kamera scheinbar zufällig, vollkommen organisch immer wieder verschiedenen Charakteren, bis die Zuschauer schließlich zum Protagonistenpaar geleitet werden. Als mit dem Stromausfall dann mit Joe (Dermot Mulroney) quasi die Antithese zu Matt bei ihnen auf der Tür steht – Tischler und auch sonst ganzer Kerl – und sich prompt bei ihnen einnistet, ist die thematisch erwartbare Dreiecksgeschichte perfekt. Jetzt mal mit der Ausnahme, dass überhaupt nicht klar wird, wer Joe überhaupt ist, woher sie ihn kennen usw. Doch der Hahnenkampf, so unoriginell er inhaltlich sein mag, kommt gut rüber und wird effektiv inszeniert.

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USA: selbstverständlich braucht man eine Schusswaffe
Ebenso sieht es mit der vordergründigen Handlung des Umgangs mit dem Stromausfall aus. In der Nachbarschaft ist sich plötzlich jeder der nächste. Hauptproblem ist gar nicht so sehr das explizite Versagen der Infrastruktur, sondern erst die irrationale Panik der Menschen macht die Dinge schwierig. Die Charakterzeichnung, so grob zweidimensional sie sein mag, bleibt insofern differenziert, dass die Personen nachvollziehbar bleiben und keine von ihnen verurteilt wird.

Doch dann wird der etablierte, gut abgesteckte Handlungsort verlassen, die Konfliktebene in diesem Rahmen komplett ausgetauscht. Ohne Not und Sinn. Und das Interesse tritt einen Sinkflug an. Alles nur, um schließlich zu einem politisch derart korrekten Ende zu kommen, dass es schon peinlich ist.

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