The Time Machine


Originaltitel:
The Time Machine
Jahr:
2002
Eingetragen:
13.09.2010
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
5,9/10

Puh... ein Film aus der „Remakewelle“ Anfang des Jahrtausends. Die Erwartungen sind erstmal niedrig und der Werbeslogan „Wohin würdest du reisen?“ lässt auch nicht gerade hoffen – denn das gehört gelinde gesagt nicht zu den entscheidenden Fragen, die der Roman oder die erste Verfilmung (Die Zeitmaschine) stellt.

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Die Geschichte dreht sich um einen US-Amerikaner (der Film spielt in den USA, die Hauptrollen spielen jedoch Briten – seltsam) namens Alexander Hartdegen (Guy Pearce), ein Wissenschaftler, dessen Verlobte Emma (Sienna Guillory) bei einem Raubüberfall erschossen wird. Vier Jahre später hat Alexander das alles andere als überwunden (zu erkennen daran, dass er unrasiert ist): Er hat eine Zeitmaschine gebaut, mit der er an den fatalen Tag zurückreist, um Emma zu retten. Doch praktisch im gleichen Moment, in dem sie im ursprünglichen Zeitverlauf umgekommen ist, stirbt sie wieder durch einen scheinbar zufälligen Unfall.

Alexander kommt deshalb zu dem Schluss, dass er die Vergangenheit so nicht ändern kann (toller Wissenschaftler, der nach gerade mal einer Durchführung eines Experiments eine Gesetzmäßigkeit postuliert). Er reist deshalb stattdessen in die Zukunft, da er glaubt, dass Zeitreisen irgendwann normal werden würden und deren Gesetzmäßigkeiten deshalb erforscht sein werden – um dort zu fragen, wie er die Vergangenheit doch ändern kann.

Nach ein bisschen uninteressantem und handlungstechnisch irrelevantem Hin und Her landet er schließlich im Jahr 802701. Hier kommt beim Zuschauer zum ersten Mal die Hoffnung auf, der Film könne doch noch dem bisher recht langweiligen Geschehen entgehen: Die Menschen, die Alexander nach seiner „Bruchlandung“ retten (die Eloi) sprechen eine eigene Sprache. Mal ganz was Neues! Keine fünf Minuten später wird diese an sich intelligente Entscheidung dann jedoch wieder über Bord geworfen: Die Eloi können nämlich sehr Wohl alle Englisch.

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Woher? Gemeißelte Inschriften von Gebäuden haben 800000 Jahre überdauert (klar, kennt man ja von den Steintafeln aus dem Altertum... ach, nee, das ist ja gerade mal ein paar tausend Jahre her und trotzdem ist darauf schon praktisch nichts mehr zu erkennen) und es ist „Tradition“ bei den Eloi, jene seltsame Sprache anhand dieser Steinbrocken zu lernen. Bestimmt insbesondere die Grammatik, die bei Inschriften wie „Museum“ natürlich klar zu erkennen ist. Eine weitere solche Kuriosität: Ein sprechender Museumscomputer, mit dem Alexander im Jahr 2030 ein Zusammentreffen hatte, existiert und funktioniert ebenfalls noch! Wie praktisch, denn so kann er dem Zuschauer ein paar expositorische Erklärungen geben...

Es ist nämlich so, dass die naturverbundenen Eloi gar nicht mal so ein tolles Leben leben. Abends kommt eine zweite menschliche Rasse aus ihren unterirdischen Höhlen: die Morlocks. Diese jagen die Eloi mit Blasrohren und simplen Fallen. Die Eloi flüchten in Panik – die Gelegenheit, die besten Szenen der alten Verfilmung, in denen die Eloi willenlos bei Ertönen einer Sirene in Richtung des Morlocktempels trotteten, wieder aufleben zu lassen, wurde zu Gunsten einer eher unaufregenden Actionszene verpasst. Ihre Opferrolle ist nicht etwa zum akzeptierten Bestandteil der Eloi-Gesellschaft geworden.

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Alexanders neue Freundin, die Englischlehrerin Mara (Samantha Mumba), wird von den bösen Morlocks, die, wie wir erfahren, die Eloi auffressen, verschleppt. Auch wenn sonst alle abraten, macht sich der Held auf zur Rettung. Die Morlocks leben „im Osten“ – genauere Angaben sind unnötig, sofort ist deren Stadt gefunden. Hier sehen wir zum ersten Mal die Morlocks in ihrer natürlichen Umgebung und erfahren, dass sie eigentlich Affen sind (dass die erste Einstellung dort zwei Morlocks beim gegenseitigen Lausen zeigt, kann einfach kein Zufall sein).

Nachdem er zwei Morlocks verprügelt hat, findet Alexander Mara in einem Käfig vor dem Thron des „Über-Morlock“ (Jeremy Irons; ich habe mir den Rollennamen nicht etwa selbst ausgedacht). Dieser ist Mitglied der herrschenden „Kaste“ und kann nicht nur Englisch sprechen, sondern besitzt auch telepathische und telekinetische Fähigkeiten.

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Hier dann nochmal wieder ganz kurze Hoffnung: Er spricht ein paar Fragen aus, die dem Zuschauer bereits seit einiger Zeit im Hinterkopf nagen. Beispielsweise: „Wer bist du, dass du 800000 Jahre Evolution einfach so in Frage stellst?“ Klar, diese moralische Arroganz hat auch die literarische Vorlage, aber dort ist sie Teil des viktorianisch geprägten Gesamtbilds – dass dieser Film eigentlich verneint. Solcherlei Fragen werden paradoxerweise also vom Film zwar ausgesprochen, aber dann sofort wieder als „falsch“ verworfen: Das Angebot des Morlock-Häuptlings, unangetastet wieder in seine Zeit zurückkehren zu dürfen und diese neue Gesellschaft der „Zukunft“ einfach in Ruhe zu lassen, schlägt Alexander zugunsten lächerlicher Heroik aus. Apropos Paradox: Immerhin bietet der Ober-Morlock noch eine Erklärung für die Ausgangsfrage, die die Reise in die Zukunft überhaupt erst motiviert hat. Hier zeigt sich immerhin, dass die Autoren die typischen Zeitreiseparadoxa verstanden haben (die Fehlinterpretation, die sich in vielen Rezensionen des Films findet, läuft auf absoluten Determinismus hinaus – davon ist allerdings tatsächlich nicht die Rede).

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Doch zurück zur vordergründigen Action: Alexander bringt den Morlock-Chef um (so wie dieser sich schlägt, zeigt allerdings mehr als alles andere, dass diese „Kasteneinteilung“ reiner Unsinn ist: wozu „Jäger“, wenn die „Herrscher“ schon Superkräfte besitzen?), die primitiven anderen Morlocks zerstören sich versehentlich in einer großen Explosion selbst, da ihnen nun die mentale „Kontrolle“ fehlt. Die Zeitmaschine musste auch daran glauben, aber Alexander lebt in der Zeit weiter – glücklich.

Diese Interpretation wird den Zuschauern auf jeden Fall explizit in den kitschigen Schlussmontagen eingetrichtert. Um genau zu sein müsste man sagen, dass die Morlockgefahr alles andere als vorbei ist, denn vorher war explizit die Rede davon, dass dies nur ein einziger von vielen Morlockstämmen ist. Aber wen interessiert schon Handlungslogik?

Beeindrucken will The Time Machine vielmehr durch Spezialeffekte und Actionszenen. Doch selbst das will nicht so richtig klappen. Meist sind diese nur schlechte, abgenudelte Clichés: primitive Morlocks legen einen Schalter um, hören ein Klicken, legen ihren Kopf verständnislos schief, grunzen und schon explodiert alles. Oder aber: Die Explosion schleuert Metallteile an die Oberfläche, die kurz eine dämonische Fratze formen.

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„Dämonik“ ist ein weiteres gutes Beispiel: Kurz reist Alexander noch weiter in die Zukunft. Diese ist optisch an naive Vorstellungen der christlichen Hölle angelehnt. Gutes Vergleichsmaterial: die Anfangs- und Schlussszene von Roger Cormans Frankenstein. Nur: Dort hatte die öde Eiswüste eine Bedeutung, war das logische Ende einer tragischen Handlung; hier bedeutet es überhaupt nichts, es ist nur eine weitere geistlose Einstellung, die nur eingebaut wurde, weil sie optisch ganz nett aussieht.

Und das fasst The Time Machine dann auch zusammen: geistlos und leer. Sobald man auch nur ein winziges Detail hinterfragt, fällt das wacklige Kartenhaus, das die durchschnittlichen Actionszenen verbindet, zusammen. Wobei für dieses Hinterfragen noch nicht mal eine besondere Vorbildung notwendig ist, denn der Blödsinn ist scheunentorgroß und in Neonfarben sichtbar.

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