Roger Cormans Frankenstein


Originaltitel:
Frankenstein Unbound
Jahr:
1990
Eingetragen:
13.09.2010
Bearbeitet:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
5,4/10

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Begräbnis für ein Fahrrad im Sinne des Fortschritts
In der nahen Zukunft: Dr. Joe Buchanan (John Hurt) hat im Auftrag der Regierung eine neue („ultimative“) Waffe entwickelt. Doch diese hat Nebenwirkungen: Menschen und Dinge verschwinden, über New York tut sich eine seltsame Wolke auf. Buchanan erfährt bald den Hintergrund des Ganzen: Die Wolke ist ein Portal durch Raum und Zeit, das durch seine Experimente aufgerissen wurde. Er wird (mit seinem sprechenden Auto im Schlepptau) hineingesogen und findet sich in der Schweiz, ca. 200 Jahre in der Vergangenheit wieder.

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Verdächtige Wolkenformation
Hier trifft er in einer Kneipe auf einen anderen Wissenschaftler, der sich recht interessiert an Buchanans Armbanduhr zeigt: Victor Frankenstein (Raul Julia). Auch andere bekannte historische Persönlichkeiten laufen Buchanan über den Weg: Lord Byron (Jason Patric), Percy Shelley (INXS-Sänger Michael Hutchence) und dessen Geliebte Mary Godwin (Bridget Fonda) leben als eine Art Hippie-Kommune in einer Villa an einem See.

Das kann natürlich alles kein Zufall sein und so begegnet Buchanan auch bald einem monströsen, künstlichen Menschen (Nick Brimble), der bereits einen Menschen auf dem nichtexistenten Gewissen hat (wofür Regisseur Roger Cormans Tochter Catherine zu Unrecht zum Tode verurteilt wird) und nun seinen Schöpfer (Frankenstein) erpressen will, ihm eine Gefährtin zu schaffen – sonst werde das Monster Frankensteins eigene Verlobte (Catherine Rabett) umbringen.

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Buchanan lädt seine Lieblingsschriftstellerin zu einer Spritztour ein
Corman hat es auch nach zwanzig Jahren Regiepause nicht verlernt! Sein Frankenstein hatte sicherlich kein hohes Budget, aber das war zu seiner Glanzzeit auch nicht anders. Nur hat er eben auch nicht hinzugelernt. Gerade die Traumsequenzen wirken in ihrer Machart etwas anachronistisch: Wellen-, Unschärfe- und Nebeleffekte waren aber nun mal schon in den 60er Jahren Markenzeichen des Regisseurs. So ist es schön, sie auch hier nochmal wiederzusehen, aber trotzdem wirken sie wie von Vorgestern. Bester Corman-Stoff auch der Endkampf mit dem Monster in einem verwüsteten, heruntergekommenen, aber dennoch futuristischen Labor: günstig, aber effektiv und originell – auf altmodische Weise.

Dass dieses (leider kurzlebige) Comeback dann auch mittels einer gelungenen Geschichte, die in ihren Parallelen zwischen Frankensteins und Buchanans Arbeit durchaus einigen Sinn ergibt, ist natürlich besonders erfreulich. Wie schon im ursprünglichen Frankenstein geht es natürlich um die Verantwortung von Wissenschaft, was dem Zuschauer wenig subtil und effizient-kurzen Dialogen deutlich gemacht wird. Da wird Buchanan an den Kopf geworfen, seine Religion sei die Wissenschaft, er selbst bezeichnet eine seiner Erfindungen als „sein Monster“ usw.

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Frankenstein schickt Elektrizität in ein vormals totes Gehirn
Ebenso gut getroffen das „Monster“ selbst, das einfach seine Umwelt nicht verstehen kann und keinesfalls „böse“ ist. Am Ende fragt es sogar explizit, warum alle ihn eigentlich jagen und vernichten wollen – durchaus zu Recht aus seiner Perspektive.

Was neben dem gutgelaunten Spiel der Darsteller (und dem witzigen K.I.T.T.-Verschnitt im 19. Jahrhundert) letztendlich hängen bleibt, sind jedoch Anfang und Ende des Films, die Buchanan völlig allein in einer kargen Eiswüste zeigen. Dies ist es, was sein „Monster“ der Welt angetan hat. Die Details spart sich der Film dann auch – es endet, bevor der Protagonist die kläglichen Reste der Menschheit trifft. Versteht man auch so: weitere Erklärungen unnötig, die hätten die Wirkung nur abgeschwächt oder gänzlich verdorben.

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