Frankensteins Höllenmonster


Originaltitel:
Frankenstein and the Monster from Hell
Jahr:
1974
Eingetragen:
05.06.2010
Bearbeitet:
27.08.2011
IMDB-Wertung:
6,4/10

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Ah, Nierchen. Köstlich!
Der junge Arzt Simon Helder (Shane Briant) wird wegen seinen Experimenten an frisch ausgegrabenen Leichen in eine Irrenanstalt eingewiesen. In dieser hat Baron Frankenstein (Peter Cushing), eigentlich selbst Insasse, durch Erpressung die faktische Leitung übernommen.

Der Neuankömmling kommt dem Baron sehr gelegen. Seine eigenen verbrannten Hände machen es ihm unmöglich, selbst chirurgische Eingriffe durchzuführen, und seine stumme Assistentin Sarah (Madeline Smith), die bisher unter seiner Anleitung die praktische Arbeit übernommen hat, ist kein ausreichender Ersatz. Helder und Frankenstein vollenden die bereits aus zweifelhaft verstorbenen Insassen angefangene Konstruktion einer neuen Kreatur (David Prowse).

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Nutzlose Hände
Mitte der 70er Jahre hatten längst sogenannte "Slasher"-Filme den Horrormarkt übernommen. Hatten die doch sehr braven Frankensteinfilme in den 50ern noch zu einem Aufschrei der Moralwächter geführt, wirkten sie im Vergleich zu neueren Werken wie Die Nacht der lebenden Toten oder Der Exorzist doch sehr antiquiert.

Diese Einflüsse zeigen sich in Frankensteins Höllenmonster sehr deutlich insofern, dass die Ekelgrenze doch deutlich stärker bemüht wird als in den vorhergehenden Filmen. Wurde dort noch diskret weggeblendet, und Sägegeräusche eingespielt, wenn ein Schädel geöffnet wurde, wird nun gnadenlos draufgehalten. Dauernd wird mit losen Augen rumhantiert und ein entnommenes Gehirn wird achtlos auf den Boden geworfen, wo es auch prompt zertrampelt wird. Musste das alles wirklich sein?

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Voller Körpereinsatz bei der Operation
Sofern man einen entsprechend robusten Magen mitbringt, bietet der Film allerdings durchaus eine logische Weiterführung der Reihe. Der Baron ist nun völlig verrückt. Bei mittelmäßigen Witzen kann er sich vor Lachen kaum mehr einkriegen, nach der Zerstörung seiner Kreatur fängt er mit beängstigender Ruhe an, Pläne fürs "nächste Mal" zu schmieden usw. Dass Peter Cushing durch seine extremst knochige und abgemagerte Erscheinung besonders alt und heruntergekommen wirkt, passt bestens ins Bild.

Wie weit heruntergekommen der Baron bereits ist, zeigt sich vor allem in seiner völligen Ignoranz gegenüber der Realität. Seine jüngste Kreatur ist im Gegensatz zu vorigen wirklich absolut monströs: Sie gleicht eher einem Gorilla als einem Menschen. Von der Schaffung eines Menschen kann man trotz zeitweilig vorhandener Geistesgaben kaum mehr reden.

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Monströses Monster
Wahrscheinlich ist es ganz gut, dass die Frankenstein-Reihe mit diesem Film zu Ende ging. Inhaltlich ist Frankensteins Höllenmonster ein runder, stilvoller Abschluss. Es hätte eigentlich nichts mehr folgen können nach diesem Ende, und die Tendenz hin zu reinen Ekeleffekten hätte nichts Gutes vermuten lassen für potentielle weitere Nachfolger.

Insgesamt überrascht es, dass die Reihe trotz der langen Laufzeit (sechs Filme zwischen '57 bis '74) doch seine Qualität recht konstant halten konnte. Zieht man zum Vergleich Hammers Dracula-Filme heran, so sieht man schnell, dass beim Vampirthema schnell die Luft raus war (wenig originelle Handlungen, in denen Dracula meist kaum etwas zu tun hat) und die Serie am Ende völlig in lächerliche Versuche ausartete, Dracula in die (damalige) Gegenwart zu bringen (Dracula jagt Mini-Mädchen, Dracula braucht frisches Blut).

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Aus und vorbei...
Frankenstein schaffte es dagegen trotz leichter Durchhänger in der Mitte, immer spannend und frisch zu bleiben. Im schlechtesten Fall sind die Filme "nur" unterhaltsam (Frankenstein schuf ein Weib, Frankensteins Ungeheuer), auf den Höhepunkten der Reihe mitreißend (Frankensteins Rache, Frankenstein muss sterben) und ansonsten irgendwo dazwischen anzusiedeln (Frankensteins Höllenmonster, Frankensteins Fluch). Das mag primär der Verdienst des konstanten Kernteams Terence Fisher (Regisseur aller Teile außer Ungeheuer) und Peter Cushing (Hauptdarsteller aller Teile) sein. Eine Reihe, auf die alle Mitwirkenden zu Recht stolz sein können.

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