Laura


Originaltitel:
Laura
Jahr:
1944
Eingetragen:
27.09.2010
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
8,1/10

laura01.jpg
Laura Hunt (Gene Tierney) ist tot – ihr Gesicht komplett von einer Schrotflinte weggeschossen. Doch niemand kannte sie wirklich, erzählt der Kolumnist Waldo Lydecker (Clifton Webb) den Zuschauern – außer ihm. McPherson (Dana Andrews), der mit dem Film betraute Polizist, kann aus diversen offensichtlichen Verdächtigen wählen: Neben Lydecker, der stolz davon berichtet, wie er Laura „entdeckt“ und zu der Person gemacht hat, die sie war, ist da Shelby Carpenter (Vincent Price), der mit Laura verlobt war, jedoch für seine Affären bekannt war. Oder auch Ann Treadwell (Judith Anderson), die selbst an Shelby Interesse hatte.

Nach all den Erzählungen dieser anscheinend perfekten Frau, durch Lektüre ihrer Tagebücher und nicht zuletzt durch das riesige Porträt, das über ihrem Kamin hängt, ist auch McPherson bald besessen von der Toten. Da steht sie plötzlich vor ihm – quicklebendig...

laura02.jpg
Otto Premingers Film ist sicherlich einer der vielschichtigsten und mysteriösesten seiner Zeit. Und dadurch auch einer der besten. Einmal ist da natürlich die offensichtliche Ebene: der Kriminalfall. Dies ist nicht direkt die stärkste Seite des Films. Außer der Überraschung von Lauras Rückkehr passiert nur wenig – man hört eben mehr über Lauras Vergangenheit, als das der Detektiv wirklich ernsthafte Untersuchungen anstellt. Die Auflösung kommt dann auch eher unspektakulär und ohne dass groß logisch darauf hingearbeitet wird.

Über den Rest gibt es viele Theorien. Wichtig bei allen: die Erzählperspektive. In der ersten Hälfte bekommt man viel über Laura erzählt (wovon eben nur auffällig wenig wirklich mit dem Kriminalfall zu tun hat), aber es sind eben Perspektiven der Männer, die das erzählen. Es sind ihre Bilder von Laura, vielleicht eben auch gewisse Wunschbilder.

laura03.jpg
Ebenso ist es mit McPhersons Bild von ihr: Er projiziert so Einiges auf die Frau, die er tot glaubt. Dass sie dann auftaucht, halten manche für einen reinen Traum. Diese Theorie ist nicht völlig von der Hand zu weisen – weil die Laura, die plötzlich „zurückkommt“ in den Film genau dem perfekten Bild entspricht, so perfekt dass man es sich kaum vorstellen kann, dass ein Mensch wirklich so sein kann. Ist das also alles nur McPhersons Wunschvorstellung? Dass alles genau so läuft, wie er es sich erträumt hat, unterstützt sicherlich diese Theorie.

Doch man kann sich nicht sicher sein, was Laura angeht. Zumindest etwas klarer sind die Verhältnisse bei manchen anderen Figuren. Carpenter und Treadwell repräsentieren völlige Amoralität – völlig offen und ehrlich (Treadwell) oder noch auf dem Weg dorthin (Carpenter). Lydecker könnte arroganter nicht sein. Doch selbst er, der anscheinend dem Rest der Menschheit so überlegen ist, hat eben eine Schwäche, der er sich nicht entziehen kann: Laura.

Kommentare



Name:
Passwort (leer):
Botverifikation:
Bitte gib das Entstehungsjahr dieses Films ein!
Kommentar: