Hatchet for the Honeymoon


Originaltitel:
Il rosso segno della follia
Jahr:
1970
Eingetragen:
07.06.2010
Bearbeitet:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
6,4/10

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Verschwommene Kindheitserinnerung
John Harrington (Stephen Forsyth) ist laut seinem eigenen Eröffnungsmonolog völlig verrückt. Er ist der Besitzer eines Modegeschäfts, das sich auf Brautkleider spezialisiert hat. Retten konnte er diesen Familienbetrieb jedoch nur mit dem Geld seiner Frau Mildred (Laura Betti), mit der ihn eine offene Hassliebe verbindet. Johns Geheimnis: Er bringt seine eigenen Kundinnen mit einem Fleischermesser um. Der Sinn der Sache: Jedes Mal, wenn er tötet, gewinnt er ein weiteres Puzzlestück seiner Erinnerung daran, wie seine Mutter gestorben ist, zurück.

In Hatchet for the Honeymoon kommen die typischen Elemente des italienischen „Giallo“ beinahe perfekt zusammen: Der immer komplett in schwarz gekleidete Mörder, die Kindheitstraumata, die die Morde auslösen, jede Menge Freud'sche Motivik und gutaussehende junge weibliche Opfer (u.A. Femi Benussi).

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Ungezwungenes Bewerbungsgespräch
Ungewöhnlich einzig, dass die Identität des Mörders von vornherein feststeht; er erzählt seine Geschichte selbst, ist also gleichzeitig Protagonist. Forsyth ist sicherlich nicht der beste Schauspieler aller Zeiten. Er besticht eher durch seine kantigen Gesichtszüge und seinen starren Blick als subtile Regungen. In der Rolle passt er jedoch sehr gut.

Das sicherlich riskante Experiment, einen Psychopathen zur Hauptperson des Films zu machen, geht perfekt auf. Fast sympathisiert man mit dem Mörder und wünscht ihm, dass er der sich langsam auf ihn zuspitzenden polizeilichen Ermittlung entkommen kann; dass er seine Ehefrau endlich los und stattdessen mit seinem neuen Modell Helen Wood (Dagmar Lassander), die deutlich an ihm interessiert zu sein scheint, glücklich wird; dass er das Geheimnis des Mordes an seiner Mutter lüften kann. Dies verstärkt, trotz aller Ironie, die dem Film innewohnt, die Tragik der Rolle ungemein.

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Einen Schritt näher am Ziel
Es sind jedoch nicht primär die Schauspieler oder die Handlung, die den Film ausmachen. Es ist vielmehr die hochstilisierte Regie Mario Bavas. Die zentrale Rolle spielt dabei die Musik: John Harrington meuchelt seine Opfer vorzugsweise zu den romantischen Klängen von Liebesliedern. Dieser Kontrast baut eine ungemeine Spannung auf. Für ihn ist das Morden eine sinnliche Ersatzhandlung. Als Vorspiel dient das eine oder andere Mal ein Tänzchen zwischen seinen Schaufensterpuppen.

Es gäbe noch viel zu sagen, doch sein bestes Zeugnis stellt sich der Film selbst aus. Auch wenn einige Einzelteile für sich betrachtet vielleicht jeweils seltsam wirken, fügen sie sich mehr als organisch zusammen und formen ein mehr als stimmiges Gesamtbild.

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