Ein Aspekt des Romans
Dracula findet sich in kaum einer Verfilmung. Entweder wird der Graf als Monster dargestellt (
Nosferatu) oder aber als verführerischer Aristokrat (zu viele, um sie aufzulisten). Im Roman beginnt er als alter Mann, der durch den Konsum menschlichen Blutes immer jünger und stärker wird. Die gute Nachricht: Genau das passiert in diesem Film mit
Christopher Lee.
Auch sonst gibt sich
Nachts, wenn Dracula erwacht sehr werktgetreu. So tauchen alle zentralen Figuren von Professor van Helsing (
Herbert Lom) und Dr. Seward (
Paul Müller) über Renfield (
Klaus Kinski) bis hin zu Quincey Morris (
Jack Taylor), Mina Murray (
Maria Rohm) und Lucy (
Soledad Miranda) in ihren vorgesehenen Rollen auf. Einzig die Verlegung des Großteils der Handlung auf den Balkan irritiert etwas, spielt aber letztlich keine Rolle.
Doch dann die Ernüchterung: Regisseur
Jess Franco macht absolut
nichts mit seiner exquisiten Auswahl an Darstellern und dem guten Drehbuch. Potentiell spannende Szenen werden komplett ausgespart – stattdessen wird einem nur
erzählt, was passiert sei. Überhaupt wird zu viel über die Dinge, die man eigentlich zeigen sollte, nur geredet; vorzugsweise sogar in Form von Monologen „in die Kamera“.
Das Paradebeispiel ist Renfield: Kinski bestreitet seine Rolle damit, einfach untätig in einem undekorierten Raum rumzusitzen. Die Handlungsstränge, die jeweils für sich ohne großen Belang sind, laufen komplett nebeneinander her – die Hauptfiguren interagieren nicht miteinander. Graf Dracula taucht im gesamten Mittelteil gleich überhaupt nicht auf; Lee und Lom waren während des Drehs laut Berichten niemals in einem Raum. All sowas zeigt sich im eher langweiligen und völlig undynamischen Endprodukt. Schade.