Blut an den Lippen


Originaltitel:
Le rouge aux lèvres
Alternativtitel:
Blut auf den Lippen / Les lèvres rouges / Daughters of Darkness
Jahr:
1971
Eingetragen:
05.02.2011
Bearbeitet:
15.05.2013
IMDB-Wertung:
6,8/10

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Die Gräfin…
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…und Stefans Mutter pflegen ungewöhnliche Beziehungen zu ihren Angestellten.
Valerie (Danielle Ouimet) und Stefan (John Karlen) sind frisch verheiratet. Sie haben sich gerade erst in der Schweiz kennengelernt und sind nun auf dem Weg nach England. Dort möchte Valerie Stefans Mutter kennenlernen. Stefan hat es damit jedoch nicht so eilig und so machen die beiden einen längeren Zwischenstopp in Belgien.

Das Hotel ist praktisch leer, nur die mysteriöse Gräfin Bathory (Delphine Seyrig) und ihre Gesellschafterin/Sekretärin Ilona (Andrea Rau) treffen sie dort an. Mit dieser Gräfin stimmt so Einiges nicht. Der Portier (Paul Esser) behauptet sogar, sie sei bereits vor vierzig Jahren einmal in diesem Hotel abgestiegen – was angesichts ihres Alters eigentlich nicht sein kann. Ein pensionierter Polizist (Georges Jamin) macht komische Andeutungen bzgl. eines früheren Kriminalfalls, in die die Gräfin verwickelt gewesen sein könnte.

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Stefan…
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…und die Gräfin hinterlassen beide Male auf Valeries Körper.
Auch die genretechnisch gebildeten Zuschauer haben natürlich schon einige Ideen: Die historische Gräfin dieses Namens war schließlich auch Vorbild für Hammers Comtesse des Grauens. Stefan ist mit dem Namen ebenfalls vertraut (wie er überhaupt auch eine auffällig starke Faszination mit dem Tod und all seinen Begeleiteffekten an den Tag legt) und so kommt das Gesprächsthema „baden in Jungfrauenblut“ schnell auf den Tisch. Valerie ist weder davon, noch von dem körperlich eindeutigen Kontakt zwischen ihrem Ehemann und der Gräfin begeistert.

Da plant man, sich entspannt einen Vampir-/Exploitationfilm anzusehen und stellt entsprechend den Kopf ab... und dann das... schon sitzt man ein zweites Mal vor dem gleichen Film, um ihn überhaupt ansatzweise erfassen zu können. Das Wort „Vampir“ kommt überhaupt nur ein einziges Mal im gesamten Film vor, und ob ein solcher überhaupt eine Rolle spielt, bleibt bis ganz zum Schluss unklar. Stattdessen geht es sehr subtil voran mit zahlreichen kleinen Anspielungen (ob nun Spiegel, Tageslicht oder laufendes Wasser), die aber niemals wirklich bestätigt werden.

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Ilona wird ihre panische Angst vor fließendem Wasser zum Verhängnis
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Die Gräfin legt Valerie vor Stefans Augen als ultimative Demütigung seiner Männlichkeit ein „Halsband“ an.
Als Hauptthema lässt sich dabei „Kontrolle“ identifizieren; d.h. die Kontrolle über (und im Umkehrschluss Abhängigkeit von) anderen Menschen: Die offensichtliche Abhängigkeit Ilonas von der Gräfin, die Kontrolle (und Unterwerfung), die Stefan von Valerie implizit und später sehr tat- und schlagkräftig explizit einfordert (in einem Telefongespräch, das man nur als bizarr bezeichnen kann, wird angedeutet, dass dies „in der Familie liegt“) und die Kontrolle, die die Gräfin über Valerie trotz anfänglicher persönlicher Abneigung gewinnt.

Die Kehrseite von Kontrolle ist nicht nur Abhängigkeit, sondern häufig auch Erniedrigung. In diesem Sinne führt die Handlung zu einigen sehr intensiven Szenen, in denen sich Machtverhältnisse unerwartet verschieben oder sich bereits in extremer Weise verschoben zeigen. Das gipfelt gegen Ende darin, dass die Gräfin „großzügig“ Valeries körperliche Zuneigung Stefan „anbietet“.

So etwas ist im gegebenen Kontext tatsächlich schwierig anzugucken – im positiven Sinne. Ein verstörender Film, der lange im Gedächtnis nachhängt und das „Grübelzentrum“ beschäftigt.

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