Marnie


Originaltitel:
Marnie
Jahr:
1964
Eingetragen:
07.02.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
7,2/10

Marnie (Tippi Hedren) ist die scheinbar perfekte Büroangestellte: Pünktlich, gewissenhaft, kompetent und immer bereit, Überstunden zu machen. Aber sie ist auch eine Diebin: Unter immer neuen Identitäten lässt sie sich in immer wieder anderen Firmen anstellen, beobachtet dann ein paar Wochen lang die Gewohnheiten der anderen Mitarbeiter und die Sicherheitsvorkehrungen, räumt den Safe aus und verschwindet spurlos.

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Panik!

Ihr aktuelles Opfer ist Mark Rutland (Sean Connery), der auch privat Interesse an der jungen Frau entwickelt. Als Marnie zuschlägt, kommt es dieses Mal alles anders als geplant: Rutland war vorbereitet, konfrontiert sie mit den Beweisen und... erpresst sie: Sie muss ihn heiraten. Immer deutlicher treten allerdings Marnies tiefe Traumata zu Tage, die Rutland versucht zu ergründen...

Marnie lässt sich am besten als Kreuzung zwischen Ich kämpfe um dich und Vertigo beschreiben: Einerseits die freud'schen Traumata (Panikreaktionen auf bestimmte Farben durch Ereignisse in der Kindheit und Zwangshandlungen), andererseits die besessene Männerfigur. Allerdings stellen solcherlei Themen immer einen schmalen Grat dar und insofern ist Marnie leider völlig misslungen.

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Marnie in den Händen eines Sexualerpressers

Konkret: Der Film könnte kaum plumper sein! Marnies Probleme sind sowohl in ihren Gründen (schwieriges Verhältnis zur Mutter), als auch in ihren Auswirkungen (übertriebene Panikattacken ausgelöst durch die Farbe rot) einfach nur platt. Nun handelt es sich natürlich um einen Unterhaltungsfilm; auch die Psychoanalyseszenen des erwähnten Ich kämpfe um dich halten keiner wissenschaftlichen Betrachtung stand. Trotzdem sind sie dort aber immerhin noch offen/komplex genug, für Laien glaubwürdig zu wirken. Bei Marnie sind diese Aspekte dagegen lachhaft.

Noch schlimmer ist jedoch Connerys Heldenrolle angelegt. Er handelt sogar noch brutaler, als James Stewart in Vertigo – nur ist letzterer selbst eine tragische Figur, während Rutland kühl, berechnend und egoistisch rüberkommt. So werden Taten wie Zwangsheirat und anschließende Vergewaltigung in jener Ehe als legitime Maßnahmen zur „Heilung“ der „kranken“ Marnie dargestellt. Ganz nach dem Motto: „Der Zweck heiligt die Mittel“.


Was dann schrägerweise auch alles im Film thematisiert wird. Rutland zu Marnie: „Wenn ich dich nicht erwischt hätte, wärst du irgendeinem Sexualerpresser in die Hände gefallen!“ – ja... genau das ist ja passiert, wie sollte man Rutland denn sonst beschreiben? Marnie zu Rutland: „Spielst du Freud? Was soll das?“ – ja, gute Frage, denn genau das tut Regisseur Alfred Hitchcock mit dem Film Marnie. Allerdings führt das nie zu Etwas. Am Ende steht Rutland trotzdem als der große Held da, die „psychologischen Erklärungen“ sind wie erwähnt albern, und der Zuschauer kann sich nach dieser zweistündigen Peinlichkeit nur an den Kopf fassen.

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