Watchmen - Die Wächter


Originaltitel:
Watchmen
Jahr:
2009
Eingetragen:
13.02.2011
IMDB-Wertung:
7,6/10

Watchmen, der vielleicht meistdekorierte Superheldencomic aller Zeiten, wollten seit den 80er Jahren schon viele verfilmen. Gescheitert ist es meist an Umfang (obwohl es als abgeschlossene Geschichte prinzipiell schon in einen Film zu pressen wäre) und Finanzierung. Die Iterationen der Skripte, Studios und Regisseure aufzuzählen, mit denen es nicht geklappt hat, wäre schon allein eine Kurzgeschichte. Konzentrieren wir und besser auf den gelungenen Versuchen. Doch inwiefern ist er „gelungen“ über den reinen Erfolg, die Produktion fertigzustellen?

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Zwei Nachteulen erinnern sich an die „guten alten Zeiten“

Üblicher Kritikpunkt bei solchen Verfilmungen ist ja, dass die Handlung komplett umgeworfen wird. Diesbezüglich gibt es weitgehend Entwarnung zu vermelden: Auch hier geht es um die selbsternannten „Wächter“, stinknormale Menschen, die sich von Comics inspiriert in bunten Kostümen verkleiden und das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Die Handlung beginnt in den 80er Jahren damit, dass Edward Blake (Jeffrey Dean Morgan), der „Comedian“, in seiner Wohnung ermordet wird. Blake war bereits seit Ende der 30er Jahre aktiv gewesen, zuletzt direkt für die Regierung. Die meisten seiner ehemaligen „Kollegen“ haben sich längst zur Ruhe gesetzt: „Night Owl“ (Stephen McHattie) hat eine Autowerkstatt, „Silk Spectre“ (Carla Gugino) vegetiert in einer Altersresidenz dahin – und einige andere hatten nicht das Glück, überhaupt so lange zu überleben, da dieses Geschäft ja auch durchaus seine Gefahren hatte.

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Unrühmliches Ende einer Heldenkarriere

Selbst die „nachfolgende Generation“ selbsternannter „Helden“ ist eigentlich nicht mehr aktiv: „Night Owl II“ Dan Dreiberg (Patrick Wilson), „Silk Spectre II“ Laurie Juspeczyk (Malin Akerman) und „Ozymandias“ Adrian Veidt (Matthew Goode) mussten das Cape an den Nagel hängen, als in den 70er Jahren Gesetze gegen das „Vigilantentum“ erlassen wurden. Ähnlich wie Blake durfte nur Jon Osterman, „Dr. Manhattan“, (Billy Crudup) mit Regierungsauftrag weitermachen. Jener ist der einzige wirkliche „Superheld“: Durch einen Unfall in einem Reaktor kann er Materie beliebig durch seine Gedanken manipulieren und er sieht Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als parallele Zeitstränge.

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1970 ist von den „originalen“ Helden der 30er nur noch der Comedian (links) übrig

Und dann ist da „Rorschach“ (Jackie Earle Haley), dessen bürgerliche Identität unbekannt ist. Er hat die Gesetzesänderungen niemals akzeptiert und operiert illegal weiter. Bzgl. Blakes Tod ist er davon überzeugt, ein „Maskenkiller“ gehe um, d.h. ein alter Feind wolle sich an den „Helden“ rächen. Ein offensichtlicher Kandidat wäre beispielsweise „Moloch“ (Matt Frewer), mittlerweile ein todkranker alter Mann. Rorschach untersucht den Fall auf eigene Faust und stößt letztlich auf Unfassbares – was auch die anderen ehemaligen Kollegen wieder auf den Plan ruft.

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Rorschachs Verhörmethoden sind nicht zimperlich

Schon der vordergründige Haupthandlungsstrang ist also einigermaßen umfangreich und komplex. Dass viele der Nebenhandlungen mehr oder weniger komplett weggefallen, insbesondere die Geschichten der „ersten Generation“ im Film stark verkürzt sind, ergibt Sinn und ist zu verschmerzen. Viele Informationen dieser Art werden gleich in der hervorragenden Anfangsmontage vermittelt, die rein optisch Stationen des Aufstiegs und des Niedergangs der verkleideten Gesetzeshüter zwischen den 40er und 60er Jahren erzählt. Ergänzt wird dies wo nötig in ausführlicheren Rückblenden in frühere Zeiten im Laufe des Films – in ebenso sinnvoller Auswahl immer dann, wenn es für die Handlung der „Gegenwart“ relevant ist.

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Dr. Manhattan verliert den Kontakt zur Menschheit

Essentiell wichtig für die Geschichte sind primär die Charakterisierungen. Was hat diese Menschen bewogen, sich in lächerliche Kostüme zu kleiden und sich nachts mit Verbrechern zu prügeln? Wie hat sie diese Erfahrung geprägt und verändert? Inwieweit können sie nun, da diese „Phase“ vorbei ist, überhaupt noch ein normales Leben führen? Dreiberg versucht dies immerhin, auch wenn er den „alten Zeiten“ hinterhertrauert. Rorschach ist dagegen zum kompromisslos brutalen Psychopathen geworden, der Selbstjustiz soweit treibt, dass er Verbrecher nicht mehr nur zusammenschlägt und der Polizei ausliefert, sondern bevorzugt gleich selbst „richtet“. Zweitens wichtig ist die Paranoia des kalten Krieges, die Angst vor einem drohenden Atomkrieg, vor deren Hintergrund dies alles stattfindet. Dass die Gegenwart des Films nicht in die Gegenwart der Produktion verlegt wurde, ist eigentlich die überraschendste Entscheidung – was sie umso erfreulicher macht. Die andere große Überraschung: Für die „langweiligen“ (also actionarmen) Szenen, in denen Dr. Manhattan auf den Mars reist und dort einfach nur im Sand sitzt, während er sich aus dem Off in philosophischen Betrachtungen zur Natur des Lebens und des Universums ergeht, nimmt sich der Film sehr viel Zeit.

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Night Owl hat sein „Eulenschiff“ und andere Technikspielereien trotz Rente funktionsfähig gehalten

Anstatt jedoch jetzt weiter aufzuzählen, was funktioniert, schön, gut und überzeugend ist, den Übergang ins Filmmedium überlebt hat, reicht es eigentlich zusammenfassend zu sagen, dass Watchmen vielleicht die beste Verfilmung eines Superheldencomics aller Zeiten ist! Dies gilt sowohl optisch, als auch handlungstechnisch. Autor (/Diva) Alan Moore würde zweifellos trotzdem alles verreissen, wenn er den Film überhaupt anschauen würde, aber seine Kritik beginnt ja auch damit, dass eine Übertragung Geschichten eines Mediums in ein anderes grundsätzlich unmöglich sei. Klar, deshalb hat er ja auch Comics wir Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen verfasst, die sich aus Figuren der viktorianischen britischen Literatur zusammensetzt.

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Auf Nixons und Kissingers Uhr ist es kurz vor Zwölf...

Völlig ohne Kritik kommt jedoch auch Watchmen, der Film, nicht weg. Insbesondere drei Aspekte sind es, die wirklich störend auffallen. Erstens ist dies die übertriebene Gewalt. Ironisch könnte man es „comichaft“ nennen, wenn Menschen (um es nochmal zu betonen: gut trainierte, aber trotzdem „Normalsterbliche“) mal eben Wände einschlagen und sich gegenseitig durch die Gegend schleudern, als wäre das nichts. Immer wieder werden brechende Knochen und spritzendes Blut in Großaufnahme gezeigt. Ungeklärt, warum. Zweitens ist es die Figur des Bösewichts: Größtenteils stimmt auch diese in all ihrer Ambivalenz (also eben der Frage, ob er wirklich der „Böse“ ist oder nur das umsetzt, wovon all die maskierten Helden eigentlich immer geträumt haben). Problematisch allerdings hierbei, dass dieser Charakter eigentlich von vornherein als „Bösewicht“ zu erkennen ist: Aus dem besonders heroischen Aussehen des Comicvorbilds wird das genaue Gegenteil: blasse Haut, ein spitzes Kinn, das direkt in den Hals übergeht, ein verdächtiger Kleidungsstil, eine entsprechende Stimme,... Dadurch geht natürlich einiges der Wirkung verloren – völlig unnötigerweise. Drittens werden einige schon in der Vorlage recht kitschigen Szenen noch mehr in diesem Sinne übertrieben.

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...im Bezug auf den atomar geführten Weltkrieg

Von diesen inhaltlichen Mängeln abgesehen gibt es natürlich auch bei den Schauspielern Licht und Schatten. Malin Akerman ist einfach keine ernstzunehmende Schauspielerin – wie man die überhaupt für irgendwas anheuern kann, ist völlig unverständlich. Leider ist ihre Rolle recht groß, andererseits aber gleichzeitig ohnehin eine der flachsten. Von diesem Tiefpunkt sind in positiver Richtung dann alle typischen Abstufungen vorhanden.

Doch bei aller Kritik: Das bereits geäußerte Zwischenfazit bleibt bestehen. Viel besser könnte man diesen komplexen Stoff nicht verfilmen und allen rechtmachen kann man es ohnehin niemals.

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