Robur, der Herr der sieben Kontinente


Originaltitel:
Master of the World
Jahr:
1961
Eingetragen:
20.02.2011
Bearbeitet:
31.05.2012
IMDB-Wertung:
6/10

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Robur
Im späten 19. Jahrhundert streiten sich die Ingenieure in Philadelphia darüber, wie man am besten einen Antrieb für einen Heißluftballon verwirklichen könnte. Bei einem Testflug mit einem Modell aus seiner Produktion werden Waffenfabrikant Prudent (Henry Hull), seine Tochter Dorothy (Mary Webster), deren Verlobter (und Ingenieur) Philip (David Frankham) sowie John Strock (Charles Bronson), ein Abgesandter der Regierung beim Überliegen eines Kraters von Raketen angegriffen. Sie stürzen ab und verlieren das Bewusstsein.

In einem Schiff wachen sie wieder auf. Allerdings in keinem normalen: Es handelt sich um ein Luftschiff namens „Albatross“ (eine Mischung aus Zeppelin und Hubschrauber), gebaut von einem gewissen „Robur“ (Vincent Price).

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Das Luftschiff aus der beeindruckensten Perspektive
Aus dem reinen „Technikfreak“ aus Jules Vernes Romanen, der einfach allen zeigen wollte, wie überlegen sein Luftschiff ist, macht Drehbuchautor Richard Matheson einen zweiten Kapitän Nemo, der sich dem Weltfrieden verpflichtet fühlt. So sehr, dass er die Regierungen der Welt mit Waffengewalt zur Abrüstung zwingen will: Er hält sein Luftschiff für unbesiegbar und scheint erstmal Recht zu behalten – problemlos zerstört er ein amerikanisches Kriegsschiff und sogar eine ganze britische Flotte.

Bei seinem Versuch, einen Krieg in Ägypten zu beenden, wird Roburs Arroganz der Albatross und seiner Besatzung beinahe zum Verhängnis: Er zieht das Schiff soweit hinunter, dass es durch die eigenen Bomben stark beschädigt wird. Nur knapp kann die Albatross wieder entkommen. Nun sind Reparaturen notwendig, für die auf einer Insel festgemacht wird. Hier sehen die Gefangenen die Chance, zu entkommen und gleichzeitig das Schiff zu zerstören.

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Drakonische Strafen – wie das Herumhängen vor der Leinwand
Für einen Film des Abenteuergenres glänzt Robur mit recht differenzierter Charakterzeichnung. Robur selbst ist einem erstmal durchaus sympathisch; seine Ziele sind ehrenvoll, und selbst seine Methoden sind erstmal nicht so schlimm: Bevor er Schiffe versenkt, warnt er jeweils die Besatzungen und gibt ihnen genug Zeit zur Flucht. Doch (neben seiner bereits erwähnten Selbstüberzeugung) ist er auch leicht aufbrausend, ordnet grausame, drakonische Strafen für diejenigen an, die seinen Befehlen nicht folgen. Andersrum ist Prudent, der durch Mord und Todschlag reich geworden ist, erstmal unsympathisch. Als er dann jedoch das tatsächliche Grauen des Krieges mit eigenen Augen sieht, ist er nicht mehr so zynisch. Bronson spielt (sehr ungewöhnlich für ihn) den einzigen nicht hitzköpfigen Charakter des gesamten Films (na ja, exklusive der Frau, aber in der Zeit hatten Frauenrollen ohnehin nicht das Recht, eigene Meinungen zu äußern – und dieser Vorgabe entspricht auch diese).

Handlungstechnisch gibt es zu vermelden, dass der Hauptplot sehr gut umgesetzt ist. Kampfszenen und „moralischen“ Grundsatzdiskussionen halten sich die Waage. Nebenbei passiert nicht viel. Ganz kurz wird ein Eifersuchtsdrama/Hahnenkampf um Dorothy angedeutet, das läuft aber völlig ins Leere und wird nach wenigen Szenen nicht mehr aufgegriffen. Aus irgendeinem Grund erkennt Robur, welcher der Gefangenen (nämlich Strock) ein eventuell verwandter Geist sein, ihm aber auch gefährlich werden könnte. Kurze Angebote zur Zusammenarbeit kommen jedoch zu spät und werden ebenfalls auch nur in einer einzigen Szene gezeigt.

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Zeitreisen scheint Robur ebenfalls zu beherrschen: London ein paar hundert Jahre früher
Leider gibt es dann doch noch eine recht bittere Pille zu schlucken: Die Tricktechnik ist sehr, sehr billig. Das Schiff sieht niemals anders aus als ein winziges Modell. Praktisch alle Kampfszenen sind offensichtliches Archivmaterial aus anderen Filmen (das teilweise noch nicht mal zu der Zeitperiode, in der der Film spielen soll, passt), vor die das Luftschiff geschnitten wurde. Bis zu einem gewissen Maße hat das ja seinen Charme, aber irgendwann ist es einfach zu viel.

Was schade ist, denn gäbe es nicht diese eine Schwäche, könnte man wunschlos glückĺich sein, denn Robur bietet prinzipiell beste Unterhaltung. Wenn man denn die Chance bekommt, sollte man zuschlagen!

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