Infam


Originaltitel:
The Children's Hour
Jahr:
1961
Eingetragen:
26.02.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
7,8/10

Karen (Audrey Hepburn) und Martha (Shirley MacLaine) kennen sich seit ihren Studienzeiten. Nun leiten sie gemeinsam eine Mädchenschule mit angeschlossenem Internat. Dass Karen plant, nun bald ihren langjährigen Verlobten, den Arzt Joe (James Garner), zu heiraten, führt bereits zu gewissen Spannungen, da Martha befürchtet, damit würde Karens Arbeitskraft für die Schule wegfallen. Soweit zumindest der nachvollziehbare und relativ unkritische Teil – doch dann setzt eine Schülerin ein weitergehendes Gerücht in die Welt.

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Die Brutstätte für Gerüchte aller Art

„Satansbraten“ Mary (Karen Balkin), wegen der es immer wieder Ärger gibt und die entsprechend schlecht auf die beiden Lehrerinnen zu sprechen ist, macht ihrer Großmutter (Fay Bainter) gegenüber Andeutungen, Karen und Martha seien ein Liebespaar und Martha sei nun auf Joe eifersüchtig. Homosexuelle Lehrerinnen – ein Skandal! Das affektierte und unreflektierte Rumgerede von Marthas Tante Lily (Miriam Hopkins), das Marys Großmutter zu hören bekommt, als sie Marys Anschuldigungen „prüfen“ will, verhärtet den Eindruck leider nur noch.

Schnell spricht sich das Gerücht herum – und ein Mädchen nach dem anderen wird umgehend von der Schule genommen. Finanziell sind die beiden deshalb am Ende, jegliche Perspektive ist zerstört. Joe steht zwar erst zu den beiden, hält die Vorwürfe für absurd, bekommt die Auswirkungen abspringender Finanziers seiner eigenen Forschung aber auch schnell zu spüren – und bricht letztendlich ebenfalls unter dem gesellschaftlichen Druck zusammen.

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Das bekommt das Trio bald zu spüren

Infam behandelt nicht die Frage, ob homosexuelle Beziehungen „widernatürlich“ sind oder ob „solche Menschen“ Lehrer sein dürfen: Es geht um die Macht und die fatalen Auswirkungen eines Gerüchts. Was dieses Gerücht genau beinhaltet, ist dabei relativ gleichgültig. Insofern ist die Problematik tatsächlich zeitlos, denn entsprechende „Werte“, die keinesfalls „verletzt“ werden dürfen, lassen sich in jeder Zeit finden (man denke beispielsweise an Drogenkonsum).

Die Verantwortung liegt in solchen Fällen immer bei den Erwachsenen. Dass Kinder Gerüchte in die Welt setzen, vielleicht auch durchaus wie in diesem Fall mit „fiesem“ Hintergrund, ist erstmal nichts Besonderes – man kann von ihnen jedoch nicht erwarten, dass sie die möglichen Konsequenzen ihres Handelns überblicken. Viel schlimmer ist es insofern, auf welch fruchtbaren Boden diese Anschuldigungen in der Geschichte bei den Erwachsenen fallen: Die Gaffer stehen sofort Schlange, als hätte man auf solch eine „Sensation“ nur gewartet und immer wieder neue „Indizien“ (die allesamt für sich gesehen völlig harmlos sind) finden sich plötzlich.

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Ein Exodus aus dem Internat beginnt

Am Ende fliegt Marys Lüge zwar auf und die beiden Lehrerinnen sind damit scheinbar „rehabilitiert“ – aber es ist zu spät, der Schaden ist trotz allen guten Willens irreparabel. Und hierin liegt unabhängig von Geld, Ärger und Prozessen, die zwischendurch alle eine Rolle spielten, die eigentliche Tragik.

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