Dracula jagt Mini-Mädchen


Originaltitel:
Dracula A.D. 1972
Jahr:
1972
Eingetragen:
13.03.2011
Bearbeitet:
29.06.2013
IMDB-Wertung:
5,9/10

Jessica (Stephanie Beacham) und ihre Clique sind typische gelangweilte Jugendliche: Materiell geht es ihnen gut, aber sie sind immer auf der Suche nach neuen „Kicks“. Die Anfangsszenen zeigen sie beim „Partycrashing“: Ältere Menschen in Anzügen und Kleidern schauen mit offenem Mund dem „schockierenden“ Treiben der jungen Leute zu – bis die Polizei kommt und sie in letzter Sekunde entwischen. Der besonders risikofreudige Johnny Alucard (Christopher Neame) schlägt als nächstes eine schwarze Messe in einer verlassenen Kirche vor – „nur so zum Spaß“.

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Shocking!

Hierzu besorgt er einige authentische Utensilien aus zwielichtigen Läden: Unter Anderem das Blut des „Fürsten der Dunkelheit“. Unter Einsatz von Musik, stilechten Kutten und tatkräftiger Mithilfe Lauras (Caroline Munro) als „Opfer“ (das sich mit Blut übergießen lassen muss) kommt tatsächlich eine ziemlich unheimliche Athmosphäre auf – Jessica und die anderen machen sich aus dem Staub. Was sie dadurch nicht mehr mitbekommen: Das Ritual hat tatsächlich funktioniert! Dracula erscheint und labt sich erstmal an Lauras Hals.

Johnny, nun (wie schon seine Vorfahren hundert Jahre zuvor) Draculas Helfer, erzählt den anderen am nächsten Tag, es sei alles nur Show gewesen, Kunstblut usw. Laura sei morgens zu ihrer Tante gefahren. Tatsächlich ist Dracula nun jedoch hinter Jessica her: Sie ist eine van Helsing! Da Dracula jedoch das unheilige Kirchengelände nicht verlassen kann, soll Johnny ihm die Nachfahrin seines Erzfeindes bringen. Zum Glück kennt sich jedoch auch deren Großvater (Peter Cushing, in seinem ersten Auftritt in der Reihe seit Dracula und seine Bräute) gut mit der Materie aus...

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Spaßige satanistische Rituale

Puh... es ist immer schwierig zu glauben, dass sowas ernst gemeint ist. Die „Jugendkultur“, die dieser Dracula zeigt, entspricht wohl weniger der damaligen Wirklichkeit, als vielmehr der Vorstellung irgendwelcher Filmproduzenten mittleren Alters. Das lächerlichste daran: Natürlich muss trotz vorgeschobener „Frechheit“ nachher doch immer alles harmlos bleiben: In einer aufgesetzten Szene stellt Jessica ihrem Großvater gegenüber klar, dass sie selbstverständlich keinerlei Drogen konsumiere, keinen Sex habe usw. usf.

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Oha!

Geradezu bizarr (nicht im positiven Sinne) wird es dann bezüglich der Rolle des Johnny Alucard: Um zu erkennen, dass der Name einfach „Dracula“ rückwärts ist, muss van Helsing beide Worte untereinanderschreiben und die Buchstaben „über Kreuz“ einzeln verbinden – beim letzten kommt dann die Erkenntnis und das entsprechend geschockte Gesicht. Hätte er mal bloß Draculas Sohn geguckt, dann wäre er da schneller drauf gekommen. Und dann die Rolle selbst: Alucard bettelt permanent, bitte zum Vampir gemacht zu werden. Wenn das allerdings beinhaltet, dass man in einer Ruine leben muss, die man niemals verlassen kann, und nicht nur die Sonne einen tötet, sondern auch Duschen, Spiegel und Kreuze zu meiden sind und noch Vieles mehr, dann muss man sich fragen, was an diesem Zustand eigentlich so erstrebenswert sein soll. Und ja, all diese Dinge werden dem Zuschauer komprimiert in einer sehr albernen Szene vorgeführt!

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Dracula taucht auch kurz auf

Dracula selbst verkommt zur peinlichen Nebenrolle, die kaum auf dem Bildschirm zu sehen ist. Van Helsings Rolle ist kaum dankbarer. Die eigentliche Hauptperson, Jessica, ist immerhin insofern „gut“ besetzt, dass Beacham einfach im Vergleich zu den anderen „Jugendlichen“ (d.h. Mittdreißigern) nicht groß negativ auffällt. Man muss die positiven Seiten allerdings schon mit der Lupe suchen. D.h. abgesehen von unfreiwilliger Komik.

Aber man muss eingestehen, dass der Mut, nach dem völligem Leerlauf der vorigen Filme immerhin mal etwas Neues zu versuchen, da war. Dass es nicht so weitergehen konnte wie vorher, war mehr als deutlich geworden. Nur ist dieser „Mut“ in die falsche Richtung gelaufen: Diese Art der „Modernisierung“ ist einfach peinlich, da sie einerseits aufgesetzt wirkt (lächerliche Pseudo-Jugendlichkeit), andererseits aber auch nicht weit genug greift (Dracula bleibt in seinem gewohnten gotischen Kirchenumfeld).

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