Frankensteins Schrecken


Originaltitel:
The Horror of Frankenstein
Alternativtitel:
Die Greuel von Frankenstein
Jahr:
1970
Eingetragen:
19.03.2011
Bearbeitet:
01.09.2012
IMDB-Wertung:
5,7/10

Victor Frankenstein (Ralph Bates) hatte schon in jungen Jahren keinen Respekt vor scheinbaren Autoritätspersonen: Sein Lehrer (Neil Wilson) musste sich einige Unverschämtheiten anhören, wenn er es wagte, den unaufmerksamen Schüler zurechtzuweisen. Noch schwieriger war die Beziehung zu seinem Vater (George Belbin): Dieser wollte ihn trotz seines Wissensdurstes nicht studieren lassen. So sabotierte Victor eines der der väterlichen Jagdgewehre und verursachte so bewusst dessen Tod. Nun finanziell unabhängig erfüllte er sich seinen Wunsch nach dem Studentenleben – das, ganz im modernen Sinne, nicht so sehr aus Büffeln bestand, sondern wie schon seine Schulzeit von Eskapaden mit den Mitstudentinnen geprägt war. Als irgendwann selbst die Tochter des Dekans (James Cossins) von Victor ein Kind erwartet und dieser kein Interesse zeigt, das Mädchen zu heiraten, zieht er sich lieber mit seinem Kommilitonen Wilhelm (Graham James) zurück auf sein Schloss – er hat ohnehin genug gelernt.

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Victor nummeriert „seine“ Körperteile

Hier nimmt er erstmal eine Affäre mit dem Dienstmädchen Alys (Kate O'Mara) auf, die vorher schon die Geliebte seines Vaters gewesen war. Seine frühere Schulfreundin Elizabeth (Veronica Carlson), mittlerweile eine allseits umworbene Heiratskandidatin, bietet sich recht offen als „Frau Frankenstein“ an, doch daran hat Victor kein Interesse: Er ist nun ganz in seine medizinischen Experimente vertieft. Durch die erfolgreiche Wiederbelebung einer Schildkröte ermutigt, möchte er sich nun Menschen zuwenden.

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Hier wird dies „etwas“ albern

Hierzu beauftragt er einen professionellen Grabräuber (Dennis Price), der ihn geradezu mit „Rohmaterial“ zu überhäufen im Stande ist. Wilhelm gefällt das alles gar nicht mehr, er droht, zu den Behörden zu gehen – also muss er sterben. Irgendwann fehlt Victor dann nur noch ein Gehirn, denn dieses essentielle Bauteil muss frisch sein. Bei einer Einladung zum Abendessen an Elizabeths Familie später ist die Entscheidung gefallen: Ihr Vater (Bernard Archard), ein renomierter Professor, soll als unfreiwilliger „Spender“ herhalten. Einen Giftcocktail später ist die Kreatur (David Prowse) endlich vollständig – stellt sich jedoch als primitiv und aggressiv heraus.

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Tatsächlich ganz lustig: Price macht Graubräuberei zum Picknick – und überlässt seiner Frau die Drecksarbeit

Die Lage verkompliziert sich weiter, als Elizabeth, die sich gut versorgt annahm, erfährt, dass ihr Vater hoch verschuldet war. Sie verliert ihren gesamten Besitz und muss bei Victor unterkommen. Alys fürchtet nun um ihre „Stellung“ im Schloss und das nicht zu Unrecht. Jedoch zerschlägt Victor die Träume beider Frauen mit einem Schlag: Alys wird dem Monster vorgeworfen, Elizabeth, die keine andere Wahl mehr hat, wird das neue Dienstmädchen – Heiratspläne ausgeträumt. Doch ist das Monster auf Dauer kontrollierbar?

Ausführliche, detailreiche Handlung, aber was soll das alles? Nachdem gut zehn Jahre lang Peter Cushing „der“ Frankenstein der Hammer-Studios gewesen war, sollte Frankensteins Schrecken einen Neustart mit Bates in der Hauptrolle ermöglichen. Doch nicht nur der alternde Hauptdarsteller wurde durch einen Jungspund ersetzt, sondern gleichzeitig der komplette Stil und Tonfall umgekrempelt.

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Alys und Elizabeth konkurrieren – allerdings nicht um den Platz an Victors Seite, sondern um die Stelle als Dienstmädchen

So kann von „Schrecken“ keine Rede sein: Der Film ist eher eine Komödie. Grundsätzlich nicht schlimm, bewegte sich der Humor nicht auf plattestem Carry On – Niveau. Ein männlicher Schulfreund würde Victor gerne bei seinen „Anatomieuntersuchungen“ helfen, ist also schwul – „ha ha“. Überhaupt ist der Einstieg in den Film mit den Schulszenen äußerst misslungen: Unter den ohnehin sehr erwachsenen Schülern schießt der 30-jährige Hauptdarsteller mit seinen deutlich sichtbaren Bartstoppeln den Vogel ab.

Auf dem Niveau geht es dann leider weiter, bis der Film dann plötzlich einfach zu Ende ist. Völlig unerwartet, denn in einem Bruch mit der Tradition, gerade die Endszenen jeweils besonders spektakulär zu machen, hat Frankensteins Schrecken praktisch überhaupt kein Ende: Durch einen völligen Zufall wird das Monster vernichtet, Victor guckt undefinierbar aus der Wäsche. Aha.

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Das Monster auf Mordtour

Der einzige Grund, sich dieses Machwerk anzutun, ist also Vollständigkeit – wobei der Film aufgrund fehlender Kontinuität nicht in Hammers reguläre Frankenstein-Reihe einzuordnen ist. Jene ging nach diesem Flop dann sogar doch nochmal weiter: Cushing musste die Rolle für Frankensteins Höllenmonster wieder übernehmen – und auch das Gesamtbild änderte sich wieder zum Besseren.

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