Sunset Boulevard


Originaltitel:
Sunset Blvd.
Alternativtitel:
Boulevard der Dämmerung
Jahr:
1950
Eingetragen:
16.04.2011
Bearbeitet:
02.06.2012
IMDB-Wertung:
8,6/10

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Heruntergekommen, aber sicherlich teuer
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Das Innere ist ein großer Schrein besserer Zeiten
Zu Lebzeiten war Joe Gillis (William Holden) Drehbuchautor – allerdings als solcher erfolglos. Auf der Flucht vor den Gläubigern verschlug es ihn in die Villa des früheren Stars Norma Desmond (Gloria Swanson) und damit in eine von der Realität abgekoppelte Scheinwelt: Obwohl sie seit Stummfilmzeiten keinen Film mehr gedreht hat, hält sich Norma immer noch für den größten Star aller Zeiten.

Ihr Butler Max (Erich von Strohheim) bestärkt sie in diesem Glauben. So plant Norma die fulminante Rückkehr auf die Leinwand: Sie hat selbst ein Drehbuch verfasst und will im „Salome“-Stoff natürlich auch gleich die Hauptrolle übernehmen. Gillis soll das Monsterdrehbuch in die endgültige Form bringen. Dafür sieht dieser zwar keine Hoffnung, jedoch beginnt er die Vorzüge des Luxuslebens zu genießen – zumindest vorerst, denn schon bald ist ihm diese permanente Lebenslüge wieder verhasst und er schleicht sich nachts davon, um mit der aufstrebenden Autorin Betty Schaefer (Nancy Olson) gemeinsam an einem eigenen Drehbuch zu arbeiten. Damit löst er allerdings schließlich nur eine große Tragödie aus, denn eine Norma Desmond verlässt man nicht...

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„Der größte Star“
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Besuch im Studio: Norma im Rampenlicht
Es stimmt alles: Sunset Boulevard ist wirklich so gut, wie immer gesagt wird! Dass eine Leiche die Geschichte erzählt, wie es zu ihrem Tod gekommen ist, war auch damals schon nicht mehr neu (siehe Scared to Death), aber was folgt ist ohne Vorbild und bis heute ohne ernstzunehmende Nachahmer. Denn tragische Dramen gibt es viele in Filmform, aber wie viele gehen wirklich unter die Haut?

Einerseits wirkt natürlich die kongeniale Besetzung: Gloria Swanson ist umgeben vom „ihrem“ ehemaligen Regisseur von Strohheim und als ihre Freunde treten Altstars wie H.B. Warner und Buster Keaton auf, deren Karrieren allesamt 1950 lange vorüber waren. Als einzige „Brücke“ dient Regisseur Cecil B. DeMille, den sich „Norma Desmond“ ausgeguckt hat, ihr neues Projekt umzusetzen (woran dieser natürlich keinerlei Gedanken verschwendet). Insofern ist Sunset Boulevard also ein warmherziger, aber auch sehr zynischer Rückblick auf die Stummfilmära und ihre Protagonisten.

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Der Gegenpart: Gillis hart bei der Arbeit
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Max darf noch einmal den Regisseur spielen – auch, wenn es nur Nachrichtenkameras sind
Doch das Thema geht tiefer: Die Figur Norma Desmonds, die in materiellem Wohlstand lebt, aber geistig immer noch von lange vergangenem Ruhm zehrt, sich in ihrer langsam verfallenden Villa verkriecht und dort in ihrem eigenen Saft schmort, umgeben von Erinnerungsstücken an ihre große Zeit, die ihr Wahnvorstellungen nur noch weiter nähren ist trotz aller Überspitzung allzu menschlich. Ihr Butler, den man erst als reinen Statisten annimmt, hat ebenfalls seine ganz eigene Geschichte. Und Gillis repräsentiert in diesem Zusammenhang eine neue Generation, der es in diesem zwar veränderten, aber immer noch genauso gnadenlosen Umfeld ebenfalls nicht leicht hat.

Alle Beteiligten wissen dabei, was sie tun. Mag Swanson mit ihrer theatralischen Gestik und Mimik, ihren weit aufgerissenen Augen, ihrer affektierten Art und ihren großen Posen erstmal seltsam wirken, so macht all dies ihre Figur nur noch tragischer, da die Distanz zur Realität dadurch noch klarer wird. Sie wirkt, selbst 1950, bereits wie ein Fremdkörper – der Pathos, der in den Filmen der 20er Jahre üblich war, ist bei ihr zur Selbstkarikatur erstarrt.

Das Ende, so melodramatisch es ist, und so häufig es auch parodiert wurde, setzt dem Ganzen denn die Krone auf: Die Künstlichkeit Hollywoods, die Traumwelt und eben die zynische Sensationsgier werden bis zum letzten auf die Spitze getrieben. Ganz so, wie es wirklich vielen ehemaligen Stars gegangen ist – ob nun „Norma Desmond“ oder beispielsweise Bela Lugosi, auf den sich die Medien nach jahrelanger Stille hyänenhaft stürzten, als er in eine Drogenentzugsklinik eingeliefert wurde.

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