Uhrwerk Orange


Originaltitel:
A Clockwork Orange
Jahr:
1971
Eingetragen:
22.07.2011
Bearbeitet:
08.01.2012
IMDB-Wertung:
8,4/10

Die nahe Zukunft: Die Gefängnisse sind überfüllt, der Platz wird für politische Häftlinge gebraucht. Die Regierung beschließt deshalb ein besonderes Rehabilitierungsprogramm: „Normale“ Straftäter sollen „umerzogen“ werden. In dieses Pilotprojekt gerät Alex (Malcolm McDowell). Bisher hatte er sein Leben mit ziellosem Herumgammeln und Kleinkriminalität verbracht. Dies gipfelte in Vergewaltigung, Mord und schließlich Verrat durch seine Kumpanen.

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Nun wird er mittels drogeninduzierter Filmvorführungen so konditioniert, dass ihn, sobald er nur an Sex oder Gewalt denkt, unüberwindliche Übelkeit überkommt. Nach seiner Haftentlassung kann er sich so nicht mehr in die Gesellschaft einfügen – selbst bei seinen Eltern ist er nicht mehr willkommen. Schließlich wird er zum Spielball der politischen Opposition (Patrick Magee) ebenso wie der Regierung.

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Uhrwerk Orange skizziert eine hochstilisierte Welt: eine ganz eigene Sprache, ungewöhnliche Mode und phallische/sexualisierte Kunstobjekte bestimmen das Bild. Genauer betrachtet ist dies jedoch nicht so originell, wie es manchmal dargestellt wird: Es bewegt sich im aus zahlreichen Science-Fiction-Romanen bekannten Projektionsrahmen der damals aufkommenden neuen Verhältnisse. Milchbars und Musikgeschäfte sind nun zu den Treffpunkten der gesamten Gesellschaft geworden, selbst Alex' Eltern laufen in bunten Teenagerklamotten herum. Es ist also das damals ach-so-befürchtete Bild der über alles dominante Jugendkultur in all ihrer Oberflächlig-, Sinn- und Ziellosigkeit.

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Darunter brodelt dann jedoch doch wieder die reaktionäre „alte“ Welt: Die Demütigungen, die Alex während seiner Haft über sich ergehen lassen muss (und zwar nicht nur im konkreten Rahmen der vielzitierten Umerziehungsszenen“) zeigen, wie hauchdünn diese scheinbare Freiheit tatsächlich ist. Einen staubtrockenen gesellschaftlichen Kommentar bildet auch das Wiedersehen mit Alex' früheren Freunden: Sie haben sich nun der Polizei angeschlossen (also vordergründig die Seiten gewechselt), machen aber eigentlich weiterhin das, woraus auch schon vorher ihr Leben bestand.

Von flacheren Genrefilmen über autoritäre politische Systeme hebt sich Uhrwerk Orange zusätzlich noch dadurch ab, dass der „böse Überwachungsstaat“ letztlich alternativlos ist: Die politische Alternative stellt sich als exakt genausogut oder -schlecht heraus. Zynischer geht es trotz dem scheinbaren „Happy Ends“ also eigentlich nicht.

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