Hard Candy


Originaltitel:
Hard Candy
Jahr:
2005
Eingetragen:
14.06.2010
Bearbeitet:
07.07.2012
IMDB-Wertung:
7,2/10

Hard Candy ist schwere Kost – gleich in mehrererlei Hinsicht. Komplizierte, da sehr medial-emotional geladene Thematik, schwer zu beurteilen und streckenweise auch aufgrund der psychologischen Brutalität schwierig anzugucken.

Doch worum geht es überhaupt? Haley (Ellen Page), 14 Jahre alt, lernt in einem Internetchat den 32-jährigen Jeff (Patrick Wilson) kennen. Sie treffen sich. Haley fährt mit ihm nach Hause, um sich eine besondere Liveaufnahme ihrer Lieblingsband anzuhören. Sie bekommt einen Drink angeboten. Der Zuschauer glaubt natürlich zu wissen, worauf das alles hinausläuft, aber dann geschieht genau das Gegenteil: Es ist Jeff, der betäubt zusammenbricht und auf einem Stuhl gefesselt wieder aufwacht – und Haley ist diejenige, die ihr Opfer zu foltern beginnt...

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Täter und Opfer – aber wer ist wer?
Ironischerweise ist Hard Candy unmoralischer Film über Moral. Ein Film, der Selbstjustiz zeigt, sie aber nicht befürwortet oder verharmlost. Am Höchsten muss man ihm jedoch anrechnen, dass er sich traut, sich tatsächlich weitestgehend auf einen Schauplatz (Jeffs Haus) und nur zwei Personen (Jeff und Hayley) zu konzentrieren. Die meiste Zeit vergeht damit, dass diese zwei Personen miteinander reden. Trotzdem wird es dabei nie langweilig. Zwischendurch kommt es immer mal wieder zu kurzen „Kämpfen“ oder Verfolgungsszenen, die dann auch entsprechend actionreich inszeniert sind, doch die größere Spannung und die schlimmere Brutalität gibt es in den anderen Szenen; denjenigen, in denen man eben kein Blut sieht, in denen nur zwischen zwei Gesichtern hin- und hergeschnitten und der Rest der Fantasie des Zuschauers überlassen wird.

Dass dieses Kammerspiel (das – bewusst oder unbewusst – strukturell dem Kriminalklassiker Mord mit kleinen Fehlern nachempfunden zu sein scheint) funktioniert, ist natürlich, neben dem interessanten Spiel mit Farben und der Schnitttechnik, den beiden Darstellern zu verdanken. Im ersten Drittel des Films gibt es eine sehr unangenehme Moralpredigt, die Schlimmeres befürchten lässt. Das Problem in dieser Szene ist, dass es zu diesem Zeitpunkt noch Hayley ist, die einem als „die Gute“ erscheint. Im Laufe des Films entwickelt man trotz Allem dann allerdings eher Mitleid mit Jeff, was Hayleys anfänglichen Ausbruch in einem anderen Licht erscheinen lässt. So relativieren sich mit der Zeit viele Aussagen, Handlungen und Vorkommnisse. Ein einfaches, klares Gesamtbild bekommt man dadurch nicht – aber das ist vielleicht auch besser so, denn bei einem solchen Thema könnte jede einseitige Aussage eigentlich nur abträglich sein.

Abschließend muss man natürlich der Vollständigkeit halber erwähnen, dass die juristischen Rahmenbedingungen, wie sie im Film dargestellt werden, sich von denen in Deutschland entscheidend unterscheiden. Dies ist jedoch für die Wirkung des Films letztlich unwichtig, da er sich wie dargestellt ohnehin nicht mit den formaljuristischen Aspekten des Themas näher beschäftigt – das Meiste, was dort von allen Seiten geschieht oder versucht wird, wäre ohnehin in den meisten Rechtssystemen illegal.

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